Neue Single: „Sie ist da“


(c)Coontown Music 2018

Written & Composed by Max Buskohl Produced by Detlef Wiedeke & Max Buskohl Performed by Jan Richter(Guitar), Jens Beckmann (drums), Sebel (Bass), Felix Heupel (Keys), Detlef Wiedeke (Bass & Keys) Recording studio: Vintage Music Studio www.vintage-music.de/ Mixed & Mastered by: Detlef Wiedeke

Film by Jan Richter

SIE IST DA

Sie Ist Da Sie ist da wenn du dir Drogen kaufst
Wenn du in spiegel schaust
Wenn du dich nicht mehr nachhause traust
Sie ist da, wenn du sie am wenigsten brauchst
Sie ist da wenn du nicht weiter weißt
Und du auf alles scheißt
Dir dein letzter Strick zerreißt
Sie ist da, an jedem Bahnhofsgleis
Sie ist da wenn du den Asphalt küsst
Wenn du die Pille schluckst
Tag, für Tag den druck verdrängst
Sie ist da, wenn du das alles auf dich zu kommen lässt
Doch du weisst, irgendwie muss sich hier bald was ändern
Doch, wo solls nur hin, hier ist doch zuende
Hör nicht auf sie, sie ist das letzte was du brauchst
Halt dich von ihr fern, sie ist bloß Schall und Rauch
Hör nicht auf sie, sie ist dein Unheil
Sie ist die Kraft die dich zu Boden reißt
Und deine dunkle Seite Zeigt
Sie ist da wenn du dein Ich betrügst,
Wenn du dein Kind anlügst
Die Konsequenz dafür einbüßt
Sie ist da, wenn du dich dem System nicht fügst
Und sie ist da wenn du die Welt anschaust
Und es dir täglich graust
Und sich deine Wut aufbaut
Sie ist da weil du das alles nicht mehr glaubst
Und du weisst, irgednwie muss sich hier bald was ändern
Doch wo solls bloss hin, hier ist doch zuende
Hör nicht auf sie, sie ist das letzte was du brauchst
Halt dich von ihr fern, sie ist bloß Schall und Rauch
Hör nicht auf sie, sie ist dein Unheil
Sie ist die Kraft die dich zu Boden reißt
Und deine dunkle Seite Zeigt
Hör nicht auf sie- das Letzte was du brauchst
Halt dich von ihr fern- Schall und Rauch
Hör nicht auf sie- Unheil
Sie ernähren sich von Demut, von Schwäche und Wut
Die Sirenen des Teufels sie singen ihr Lied
Hab Mut, Hab Mut Hör
nicht hin

Ich Hör Auf

Ich hör auf!!
Ich sitze momentan im Zug und bin auf dem Weg zurück nach Berlin. Meine letzten Spielstätten waren Oberhausen, Fliesteden, Warburg, Karlsruhe, Pforzheim, Düsseldorf, Wankum und schließlich Emden.
Seit Oktober 2012 wollte ich eigentlich nichts mehr mit Musik zu tun haben. Klingt bescheuert ich weiß. Aber ich war kaputt. 2011 war ich mir noch sicher, mit einem Album wie Sidewalk Conversation, einen guten Meilenstein gelegt zu haben. “Danach gehts wieder ab”. Jedes Jahr auf Tour, im Sommer auf Festivals spielen und am nächsten Album arbeiten. Genug Zeit und Geld für Tochter, Wohnung und Kreativität. Aus welchen Gründen auch immer, wurde mir der Erfolg erspart. Album floppte, die Tour musste ich während der Proben absagen, und mein Feuer -mein Selbstbewusstsein war erloschen…
Henning Wehland riet mir im Herbst 2012, nicht gleich wieder das Radio aufzusuchen, den Welthit schreiben zu wollen und die nächste Partnerschaft, wieder bei einer riesen Plattenfirma zu suchen (wobei mich Universal angefragt hatte). “Gib dir und den Leuten eine Pause”. Ich wusste garnicht was das heißen sollte. Wie soll ich mir eine Pause geben? Was meinte er? Jedenfalls versuchte ich noch Anfang 2013 das Gegenteil von dem was mir Henning empfahl. Nur um noch weiter unten zu landen. Und dann kam kurz darauf, auch wenn unfreiwillig, die Pause. Und ich musste feststellen, dass ich diese gebraucht habe. Ich brauchte sie, um diesen wilden Ritt von 2007 bis 2012 mal zu verdauen. Auch wenn die nächsten Jahre auch nicht ruhig blieben… Ein erfolgreicher Manager hatte mich neulich angerufen mit den Worten: “Herr Buskohl, es ist schön mit ihnen mal zu sprechen! Ich habe noch nie soviel gehört von jemanden, der seit 2012 nichts macht (mit machen, ist eine musikalische Veröffentlichung gemeint)”Ja… Irgendwie traurig aber auch ein Teil des Plans. Ich nehme es gerne als Kompliment. Die Pause habe ich genutzt. Ich habe angefangen auf den Straßen Europas zu spielen, mich Genremäßig auszutoben, Videos gedreht für Songs, die ich nie Veröffentlicht habe, eine eigene Show in Münster moderiert mit fantastischen Gästen (u.a. Otto Waalkes, Martin Semmelrogge, Pohlmann uvm), Dinner-shows besungen, im Varieté gespielt und eine Tour in Australien…
Was ich eigentlich schreiben wollte, ist ja, dass ich aufhöre. Auf unbestimmte Zeit, werde ich vorerst mit den Wohnzimmerkonzerten aufhören! Natürlich nicht mit der Musik. Wie auch? Mein Fluch und Segen, bis das der Tod uns scheidet! Oder länger…
Ganz nach dem Vorbild Gunter Gabriel, habe ich mein erstes Anmeldeformular für meine 4-Wände-Tour Anfang 2014 gepostet. Ich wollte mal gucken ob sich überhaupt jemand noch interessiert. Und siehe da- es gab sie. Die mutigen Erstbucher! (DANKE) Und so fing meine 4 Jährige Tour (mit Pausen) durch die Wohnzimmer der Bundesrepublik an. Was ich alles erleben durfte! Leute das war und ist der Wahnsinn. Zuerst hatte ich Angst- wo würde ich landen und was für Menschen werden mir begegnen, welche Betten ich angeboten bekomme, welche Flieger, Büsse, Züge und Boote ich alle nehmen müsste, ob die dann auch da sind, und ob es ihnen gefallen wird. Doch nach einer Weile hatte ich gar keine Sorge mehr, was die Ungewissheit betrifft. Egal wie unangenehm auch die Situation sein mochte bevor ich spielte, ich wusste, dass sobald ich anfange zu spielen, alles gut wird. Es fängt eine Kommunikation an zwischen mir und dem Gastgeber, und den Gästen, die kaum zu beschreiben ist. Zudem bestätigt sich auch einfach immer wieder meine Theorie- wer Musik zu sich nachhause bucht, kann garnicht so scheiße sein. Und wer sich den Buskohl holt, sowieso nicht!
Allein in der letzten Woche hab ich wieder Sachen erlebt. Es fängt mit der Suppen-WG Party in Oberhausen an, wo ich erst bei Ankunft gemerkt habe, als ich neue Saiten aufziehen wollte, dass mir ein “Saiten-Stöpsel” fehlte. Mir ist der Fachbegriff noch nie bekannt gewesen… Das sind diese kleinen Teile unten auf dem Steg, die die Saiten festklemmen. Kosten 85cent, aber wenns fehlt ist dat ne mega-, ober-, hammerhart- beknackte Angelegenheit. Alle Musikgeschäfte in Oberhausen, hatten bereits zu. So schrieb ich alle Mukkerkollegen an, die so in Essen/Oberhausen wohnen, ob sie mir eine Gitarre leihen könnten… Alle waren (an einem Freitag natürlich) selbst unterwegs. Die Rettung kam dann aus der WG-Küche-, der Suppenchef, er hatte in Duisburg angerufen, bei einem Musikgeschäft, welches in 5 Minuten zugemacht hätte, und gefragt ob die Dame vor Ort noch auf uns warten könnte. So fuhren wir schleunigst nach Duisburg. Im Laden angekommen, beim bezahlen, bekam die Dame einen Anruf, wonach sie dann ihrer Kollegin mitteilte: “Ja jetzt muss ich dem Nippi die (drum)Sticks vorbei bringen”. Ich pack mir an den Kopf und frage: “ Aber doch nicht Nippy Noya, oder?” (Percussionist u.a bei Udo, Maffay, Chaka Khan etc)
“Doch, doch genau der. Dem muss ich jetzt noch Sticks zum Konzert bringen…”
“Super” sagte ich “zwei Idioten, ein Musikladen!” Da steht man in Duisburg, in irgendeinem Musikgeschäft und es ruft in dem Moment ein Kollege an… Lachend bezahlte ich meine 85cent, und bat sie beim rausgehen noch, ihn von mir zu Grüßen.
So dann konnte es auch endlich losgehen…
Am nächsten Tag, wachte ich auf, nahm mir noch ein wenig Suppe… was sonst… und da viel mir wieder ein, dass mir mein Wohnzimmerkonzert, für den Tag, in Münster abgesagt wurde. Aber ich hatte keine Lust nicht zu spielen. So rief ich in den Wald, Facebook, dass ich bock hätte zu spielen, ob nicht jemand eine Idee hätte. Und so kam es dann, dass es mich zum äääähhhh… 5. Mal in diesem Jahr, ins kleine, aber feine Eck Pulheim zog. Diesmal sollte es in Fliesteden sein. Das Glühweinfest des Maibaum-Vereins… Ein herrlicher Abend, bei herrlichen Menschen, und so komm ich wohl nicht mehr aus der Nummer raus, am 30.04 in Fliesteden, beim Maibaumfest zu spielen. Es soll mir eine Ehre sein! Haha.
Zur späteren Stunde jedoch, befand ich mich auf einer Geburtstagsparty, die nicht so schön endete. Unter den wenigen Gästen waren 5-6 Jungs, die sich immer lauter darüber unterhielten, wem sie als erstes von uns aufs Maul hauen werden und wie, und tauschten ihr homophobisches Gedankengut aus. Beim ersten mal dachte ich es wäre nur ein schlechter Spaß. Ich ignorierte es, da sie mit ihrem Idiotismus draußen im Garten blieben. Doch später machten sie sich immer häufiger, unangenehm bemerkbar. So sprach ich sie ganz einfach darauf an. Warum sie sich nicht für den Abend zusammenreißen könnten, und dass wir alle gemeinsam in Frieden saufen könnten. Ja… was soll ich sagen… es hat nicht viel gebracht. Draußen schaukelten sie sich alle weiter hoch, nun mit natürlich nur mich im Visier. Was ich mir auch erlaube…tse,tse,tse… Am Ende als wir gehen wollten, haben die Jungs das Hausumzingelt… Kein Scherz! Weil ihr Oberglatzenschwachmatsbefehlhaber, noch ein “Wörtchen” mit mir reden wollte. Aber gerne doch, dachte ich mir. So lief ich raus, um der Sache auf den Grund zu gehen. So stand ich vor ihm, diesem fetten, riesen Glatzkopp (halben Kopf größer als ich!), und hörte mir an, wie “sie” Menschen wie mich, mit langen Haaren (hallo welches Jahrzehnt lebt dieserMensch???), scheiß Schwuchteln wie M. (ein Gast dort) etc nicht hier haben wollen. Ich fragte ihn bloß warum. Warum er das nicht möchte, wieso ihn das störe, wieso er uns, ohne uns zu kennen, aufs Maul hauen möchte… Sein hässlicher, dummer Blick beim nachdenken, paarte sich mit dem ebenbürtigen Ergebnis- “DARUM!” Ich ließ mich leider aus der diplomatischen Haltung etwas locken und belehrte ihn: “Ihr dummen Dorftrottel, was ist das für ein Dorftrotteldenken?” Das ging ihm eindeutig zu weit und schrie völlig empört: “ Ich komme aus Nippes!”
“Na das ändert aber auch wirklich alles”, dachte ich mir, und schon küsste mich seine Stirn an der Augenbraue. Schlecht gezielt, und nichts dahinter, Gottseidank! So wollte ich dem Machoglatzenhohlflöte meine Meinung mal Kund tun. Doch dazu sollte es nicht kommen. Zu schnell waren seine Freunde dazwischen, und auch mein Kumpel überredete mich wieder ins Haus zu gehen. Ein paar Minuten später, war Hauptleutnantmatschbirne doch noch bereit mir die Hand zu schütteln, und somit fuhr ich nach Köln. Saubere Sache.
Sonntag gings für mich nach Warburg, wo ich bei einer wundervollen Familie, ein schönes Wohnzimmerkonzert geben konnte. Wonach wir noch Stunden lang uns in Gespräche vertieften, unsere liebe für die Beatles aussprachen und so wurde mir eine irrwitzige Geschichte erzählt… Der Gastgeber, Herr S., zeigte mir ein großes, eingerahmtes Plakat. Darauf waren Zeitungsartikel vom Jahre 2016 zusehen, wo er mit seiner Coverband als Vorgruppe von keinem geringerem als Paul McCartney angekündigt wurde, fürs Konzert in Düsseldorf. Ich guckte stark beeindruckt und las es mir durch. Er grinste und verwies mich auf das Datum… 01.04.2016… Es stellte sich heraus, dass er sein ganzes Dorf, die Lokalpresse, und Bandmitglieder, also ganz Warburg, zum 1. April verhohnepipelt hatte. Es fing mit einer lustigen Email, an die Zeitung, an. Als er dann aber am nächsten Tag daraufhin einen Anruf bekam, um ein Interview geben, konnte er es kaum fassen. Er reimte sich eine halbwegs plausible Erklärung zusammen, wie es denn dazu käme, und dass es ihm und den Jungs die Welt bedeuten würde, noch in so einem hohen Alter nochmal die Chance zu bekommen. So bedankte sich die Presse fürs Interview und versprach einen riesen Artikel mit Bildern etc. Es wäre ja eine Sensation.
Abends viel dem Fuchs aka Herrn S. ein, dass ja bereits vor Mitternacht, die Artikel online gestellt werden, bevor die Zeitungen raus sind. So rief er noch schnell an und erklärte, Sie hätten dem Management von Paul McCartney versprochen es erst ein Tag vorher (01.04) zu verkünden. Mit vollstem Verständnis dafür, dass das bei so großen Dingern ja öfters der Fall ist, versprachen sie es auch so zu tun. Am nächsten Tag stand das Telefon nicht still…
Montag war ich dann zu Gast bei “Buchi trifft…” in Karlsruhe. Ein durchaus gelungener Abend, in einem wunderbaren Lokal in Durlach. Es war schön, mal wieder meine Lieder, in Begleitung eines Rhythmusinstrumentes, zu spielen.
Dienstag hatte ich einen freien Tag, und ließ mich einladen zu einer Dinner Show-Premiere, wo ich vor 4 Jahren einmal gesungen hatte. Bei freiem Essen und Trinken geht das Musikerherz auf. Und dann auch noch bei so vielen, tollen bekannte Gesichter… Ein feiner Abend, der sein Ende doch erst um 8 in der Früh, fand.
So schleppte ich mich am Mittwoch, mittags, samt schwerer “Katze”, zum Waschsalon, um mal ein wenig Wäsche zu waschen. Mit sauberer Wäsche ging es dann auch schon weiter nach Pforzheim.
Das Wohnzimmerkonzert in Pforzheim war wunderbar. Malwieder habe ich super liebe Menschen kennengelernt und bin froh, dass das mein letztes klassisches Wohnzimmerkonzert war. Es hat alles gepasst. Die Stimmung, das Bier, die Witze, Pizza, die Unterhaltungen. Alles was ich an Wohnzimmerkonzerten liebe.
Donnerstag hatte ich einen freien Tag in Düsseldorf, und besuchte Götz Alsmann (Zimmerfrei) bei der Arbeit. Was ein herzlicher und lieber Mensch er doch ist. Sein Programm- Italienische Schlager-Hits aus den 50er und 60ern. Wenn auch anfangs eigenartig, und komisch, war es ein phänomenales Konzert. Er ist wahrlich ein Meister an den Tasten bzw “Original Steinway von Yamaha”. Sowie wie die weiteren, in Schwarz-Lila gestreiften Sakkos, gekleideten Herrschaften (Vibrafon, Schlagzeug, Percussion und Bass).
Freitag dann, in Wankum gespielt. Wo ich bereits vor einem halben Jahre spielte. Ich wurde wieder herzlichst empfangen und so wahr es mir auch ein Vergnügen dort zu spielen. Auch wenn die vielen Gäste ausblieben, so war es doch ein schöner, intimer Abend.
Leider musste ich auch schon 23:15 den Zug erwischen, um nach Münster zu kommen. Um halb 3 im Hostel angekommen musste ich auch schon um 8 den Bus zum Flughafen erwischen. Dort traf ich mich mit einem Hochzeitsgast, der sich von dort aus ein Auto mietete um nach Emden zu gelangen. Um 12 war die Hochzeit. Vor Ort angekommen, schnell geduscht, in die Stadt gerannt, ein gebügeltes Hemd gekauft… Und dann war ich auf einer schönen Hochzeit. Es haben sich dort zwei wunderbare Familien vereint. Es war mir eine Ehre dabei zu sein und – wie sollte es anders sein- das ein oder andere Lied gespielt zu haben. MIt Zugabe im Hotelzimmer, zur Freude der weiteren Gäste haha. Ach ne, wat war das wieder schön.
Und nu muss ich packen, für 5 Monate… und achso… Am Freitag kommt ein neuer Song mit Video!!!! Wuhuuuuuu! Der fetzt!

Und vergesst nicht-
Keine Zeit für Boshaftigkeit!

01. Gedanken auf Achse

Ich habe zwischen März und Juli immer wieder Beiträge geschrieben über meine Erfahrungen und habe meinen Gedanken freien lauf gelassen. Teilweise wird es arg persönlich, aber in dem Moment musste das wohl so sein. Hier ist mein Erster Bericht

7. März

Sooo. Ein langes Wochenende geht zu Ende. Befinde mich, wie gewohnt, in einem Zug. Aber diesmal um nach Hause zu kommen- was immer selbst nach 4 Tagen ungewohnt scheint. Ich habe mich noch nie gefreut nach Hause zu kommen. Nicht dass ich da ungern bin. Doch die Eindrücke und die Erfahrungen die ich zum Beispiel, auf dieser über 2200 km-Reise machen durfte, möchte ich niemals missen. Angefangen am Fuße des Peißenberges wo ich bei einem wunderbaren jungen Ehepaar, die sich einePeter-Pan-ähnliche Festung als Haus gebaut haben (absoluter Traum!!!!), weilen durfte. Am nächsten Tag trug ich den grauen bayrischen Matsch, der immernoch an meinen Stiefeln klebt, nach Leipzig. Verbrachte dort, mit vielen bekannten Gesichtern, auf einem Schützenhof, einen herrlich schönen Abend. Am Sonntag sollte ich das letzte Mal auf dieser Reise (3 mal insgesamt) über Augsburg an mein Ziel gelangen- Ostfildern in Baden-Württemberg bei Esslingen bei Stuttgart. Eine verrückte kleine Frau wollte wohl nicht leise in Rente gehen, sondern mit einem Knall; einer Party in ihrem Frisörsalon. Etwas Schiss hatte ich wohl um meine Haare, aber selbst Frisörinnen haben irgendwann auch keinen Bock mehr über Haare zu reden (geschweige denn zu schneiden) besonders sonntagabends bei Sekt und Musik! Danke für die schönen Fotos! Am Montag fing der Tag eher komisch an- ungewohnt hatte ich viel Zeit da mein Ziel (Heilbronn), nicht weit weg lag und ich erst um halb sechs da sein musste. Also versuchte ich mir die Zeit in Stuttgart totzuschlagen. Wollte den Veganen Fastfood Laden vom Bären (XOND) eh probieren. Also gabs zum Frühstück Rote Beete Burger mit Pommes und Apfelsaftschorle- Lecker! 12:15… Mist. Das doofe ist ja dass ich meine Tasche und meine Gitarre immer bei habe. In vielen der Schließfächer, an den Bahnhöfen dieser Republik, passt meine Gitarre nicht rein. Naja egal- ich habe auf dem Schlossplatz ein öffentliches Schachspiel begeistert verfolgt, etwas der Musik der Straßenkünstler gelauscht und mich dann für einen Bummel durch Heilbronn entschieden. Abends dann vereint mit meinem lieben Freund Gonzo und seinen liebenswerten „Friends“, spielten wir eine schöne Musik und bescherten den Gästen sicher einen schönen Abend. Ich liebe ja das Alte Theater in Heilbronn und komme gerne immer wieder! Ich höre schon wie meine Gitarre neben mir weint, weil sie weiß, dass wir erst am Freitag wieder losfahren dürfen… Ich danke der Göttin der Musik, dass ich ihr wieder dienen durfte! Bis bald!
Und ihr wisst ja-
Keine Zeit für Boshaftigkeit!
❤❤❤

02. Gedanken Auf Achse, die Zweite.

12.März

Freitag früh um 8:52 fuhr mein Zug aus berlin raus, und rein ins Wochenende. Berlin-Hannover-Frankfurt-Bruchsal und eeeendlich dann in der Weltmetropole Menzingen… ich war etwas früh schon vor Ort. Wollte zum Haus der Gastgeber laufen entschied mich dann aber, auf halber Strecke, für die Bank auf dem alten Kirchplatz. Die Sonne schien so schön. Also nutzte ich die Gelegenheit um etwas Vitamin-d zu tanken und mein Buch zu lesen. Später habe ich dann die nette Familie kennengelernt. Um die Zeit bis zum Auftritt totzuschlagen ließ ich mich von einem 10 jährigem in MauMau fertigmachen. Ein sehr cooler junge! Im Kickern bewies ich doch eindeutig die besseren Skills… wird noch!
Nach dem sehr angenehmen Konzert musste/wollte ich weiter nach Stuttgart/Ludwigsburg. Ein netter Gast hatte es mir angeboten mich zu fahren. Leider wurde es dann am Ende etwas hektisch und ich vergaß komplett dem Jungen Tschüss zu sagen! Meine Strafe dafür sollte ich wenige Stunden später zu spüren bekommen…. (aber sowas von)
In Ludwigsburg angekommen überraschte ich meinen Kumpel Nader Rahy, der kurz zuvor in der RnR Burger Bar(besten burger!!!!! Ich sag nur Whiskey-Marmelade!!!), dessen Besitzer ich ebenfalls glücklicherweise zu meinen Freunden zählen darf, gespielt hat. Zusammen fuhren wir nach Stuttgart und stellten das Nachtleben auf den Prüfstand (Nachtrag- nader besteht darauf zu erwähnen dass er Folgendes geschrieben hätte-… und entschieden sich, dem Stuttgarter Nachtleben eine Chance zu geben). Ein paar Stunden ( viele Stunden) später- Ein Mega cooler Typ – beste Securitymann Stuttgarts! hatte mir ein Bett angeboten zum Pennen. Als dieser dann auf Toilette war, wollte ich mir noch ein letztes Bier genehmigen vor dem schlafen (nicht dass ich noch nicht genug intus hatte). Ich nahm mir eine Flasche aus dem Kühlschrank und fand erstmal keinen Öffner. Ging rüber zum Tisch wo ich eine Dose sah- so eine kleine, wie diese Reise-Deodosen. Beim Öffnen der Flasche fing die Dose an stark zu zischen… Ich guck auf die Dose… Pfefferspray… ich weiß nicht wie viel Zeit verging bis ich realisiert hatte, dass es sich um Pfefferspray handelte, welches mir da entgegen schoss. Als es aber soweit war rannte ich (in Unterhose und t-Shirt) so schnell ich konnte mit dem Teil raus, durch den Hausflur, machte die Tür zur Garage auf und schmiss es erstmal durch das Gittertor (danach natürlich ordentlich entsorgt). Auf dem Weg zurück fing es an zu brennen- aber wie!!!! … tja hätte ich dem Jungen mal Tschüss gesagt. Karma is a b****!

Am nächsten Tag fuhr mich der „Stuttguard“, obwohl ich sein Zimmer kontaminiert hatte, sogar noch die 45 Minuten zum nächsten Wohnzimmerkonzert in Wollenberg. Es war ein herrlich intimer Abend. Ich habe es sehr genossen. Obwohl meine Hände/Gesicht und Beine noch brannten ließ es sich doch gut spielen. Am nächsten Tag musste ich schon um 08:20 den Zug nehmen nach Heitersheim! Tut mir leid Gaby, dass du so früh an einem Sonntag aufstehen musstest! Dort wartete Nader auf mich der mich überredetet an einem herrrrrlichen Tag Fallschirmspringen zu gehen. War ok… bisschen langweilig… Quatsch! Genial! Ein unbeschreibliches Erlebnis. Ich kann nur jedem empfehlen sich in Eschbach sinnlos ausm Flugzeug schieben zu lassen. Das ganze Sky High e.V., Eschbach aka Sky Adventures Team ist tiefenentspannt und sympathisch! Der Pilot war sogar nüchtern… besser geht’s nicht. Jetzt sitze ich im Auto mit Nader irgendwo kurz hinter Nürnberg. Wir hören „War on drugs“ und erzählen uns Geschichten. Wenn ich dem Wochenende bzw der Geschichte einen Titel geben müsste wäre es- Mau Mau, Pfefferspray und Fallschirme!
Ich wünsch euch einen schönen Sonntag und einen guten Start in die Woche!
Ihr wisst ja – keine Zeit für Boshaftigkeit… ❤

03. Gedanken Auf Achse, die Dritte

18. März

Es sollte ein kurzer Wochenend-Trip werden. Noch nicht mal ein ganzes Wochenende. Ungewohnt werde ich heute (Samstag) in Berlin verbringen.
Jedenfalls bin ich am Donnerstag um 8:12 los nach Magdeburg gereist, um dort vereint mit zwei meiner Stiefväter des Rocks, Pascal Kravetz und Wyzard, weiter nach Leer zu fahren. Wobei Pascal wohl eher wie ein großer Bruder ist. Als Kind war ich oft mit auf Tour bei meinem Vater- im Tourbus! Das hat mich dermaßen beeindruckt. Sehr wohl möglich, dass es auch ausschlaggebend dazu beigetragen hat, dass ich mich für die Musik entschied. Und auf diesen etlichen musikalischen Reisen gab es oft verschiedene Begleiter. Pascal war einer der wenigen die immer mit dabei waren. Uns verbindet Vieles. Angefangen hat es wohl als ich wohl, im zarten Alter von einem Jahr, voll gerotzt aus dem Strahl der Rotlicht-Lampe, unter der er mich hielt, ihn anschielte. Und heute ist er für mich Deutschlands Funkiest Paradiesvogel-Tastenmann, „very big cinema“! Seit jeher heiße ich für ihn Maximausibär (wehe Leute! Nur er darf das!). Jerry Seay aka „Wyzard“ ist eher einer derjenigen, die immer mal wieder dabei waren. Aber quasi Teil der Familie trotzdem. Er wohnte bei uns in Jesteburg als ich 3-4 war mit seiner damals schwangeren Frau. Den Inhalt jenes Bauches könnt ihr hier betrachten – Leven Kali Music, talentierter Bengel. Er ist seit 1999 Songdog und somit Urmitglied der Band meines Vaters. Beeindruckt von seiner interessierten, herzlichen Art und natürlich auch von seinem Bassspiel, beeinflusste er mein Leben. Später dann mit der Band von Wyzard- Mothers Finest – dann auf Tour gewesen zu sein und zu singen wird immer ein Highlight bleiben.
Also zusammen mit denen und Dion Murdock (der Sohn und mittlerweile auch Drummer der beiden Sänger von Mothers Finest) fuhren wir zum Zollhaus in Leer. 6 km weit weg vom Bauernhof meines Vaters. Heimat also. Oder?
Schön war es mal wieder auf der Bühne zu stehen mit dem eigenen Vater und dieser starken Besetzung. Das knallt, geht ins Herz und macht sowas von gute Laune! Mein Vater genoss ebenfalls das „Heimspiel“- ob es mit dem „Geschenk aus der Heimat“, welches er schreiend in Empfang nahm, zu tun hatte? Kurz vorm Auftritt kam etwas Verwandtschaft Backstage und brachte ein Mitbringsel. Eine unscheinbare, kleine Schatulle. Doch der Inhalt hatte es in sich- Das Glassauge seines Großvaters sprich meines Urgroßvaters! Gänsehaut… uuuuwaaaa…
Am nächsten Tag hieß meine Station – warte da muss ich nochmal kurz nachgucken- Salzkotten. Von dort wurde ich heimlich in ein Wohnmobil verfrachtet, welches neben dem Partyschuppen stand. Ich hab die berühmte Frau in der Torte gespielt- bloß ohne Torte. 18. Geburtstag… Die Mutter drohte erst zu singen und leitete dann, zum Glück der Tochter, gekonnt über in die Ankündigung meines Daseins. Die Überraschung war ihr gelungen! Welch schöne Party! Mit Freude durfte ich die Empfänglichkeit der Jugend für akustische Musik erfahren. Es wurde sogar im Takt geklatscht und ein Engelschor stieg auch noch ein! Putzig waren danach auch die etlichen Versuche der Abiturienten mich mit ihrem Kinderschnaps abzufüllen… Der Kater heute zollt einen respektablen Erfolg. Einzigartig und beeindruckend war dann aber später die Motorradshow. Das Geburtstagskind wurde gebeten sich auf das Motorrad zu setzen, welches dann lautstark, mit durchdrehendem und brennendem Hinterreifen, im Kreise geführt wurde.
Anscheinend ist das völlig normal, auf jeder Party einer Biker-Familie, doch den Gästen riss es die Kinnladen runter! Respekt! Am nächsten Tag wachte ich zu Sturm, Regen und einem Hund???!! auf, im gemütlichen Wohnmobil. Ach ne Leute war das wieder schön. Morgen um diese Zeit werde ich auf meiner Heimatinsel, Lanzarote, im Lokal sitzen und Papas Arrugadas mit Mojo genießen. Auch bei schlechtem Wetter freue ich mich auf die Insel meiner Kindheit. Die Energie der Vulkane. Ich sags euch- Die spüre ich immerwieder. Mittwoch bin ich allerdings schon wieder in Berlin. Aufgeladen mit Vulkanenergie wird am Donnerstag (da singe ich in Hamburg, das letzte mal auf dieser Tour mit meinem Vater) ein neues Abenteuer beginnen. Also Jungs und Mädels und was auch immer dazwischen ist- bis nächste Woche! „Don’t do what I wouldn’t do, but if you do- name it after me“
(vom Film Hearts In Atlantis ❤)
Keine Zeit für Boshaftigkeit!

04. Gedanken Auf Achse, die Vierte

26. März


Wie ich es liebe, wenn ich im Zug sitze, draußen das Meer und die grünen Felder sehe, und wie dann diese „Ballermanngruppen“ plötzlich reinstürzen und sich in den Flur stellen- ein sexistischen Spruch nach dem anderen rausbrüllen und das obligatorische dazugehörige „Sich-Einig-Sein“ darüber, dass das ja einfach auch so stimmen würde… Da fühl ich mich wie der alte konservative Opa, dem die neue Welt so gar nicht mehr schmeckt. Aber jut. Ihr seid jetzt meine schöne Ablenkung, mein geistiger Beistand/Befreiung in der -„Ralf! Mach ma 10 nackte Friseusen an!“-Hölle.
Wo ich die Woche wieder war… Ich bin letzten Sonntag, wie angekündigt im letzten Beitrag, mit meinem Krümel nach Lanzarote geflogen. Lanzarote ist, so glaube ich, meine wirkliche Heimat. Ich bin dort fast 8 Jahre aufgewachsen. In den letzten Jahren zog es mich, aus diversen Gründen, nicht hin. Februar 2016 dann das erste Mal seit Jahren wieder. Mit Nader für einen Monat zum Surfen 🏄🏼in Caleta de Famara! Die Insel gibt mir viel. Das Meer fehlt mir enorm. Ich fühle mich am Meer zuhause. Wenn es dann auch noch Vulkane in der Nähe gibt- Nehm ich! Jedenfalls hab ich meinen Keks genötigt, mit mir rumzulaufen und ihr dabei all meine Geschichten aus meiner Kindheit zur erzählen. Ob es sie interessiert hat? Weiß ich nicht- sie war höflich genug, mich im Glauben zu lassen, dass sie zuhört, und ab und an mal ein „ja, Papa!“ von sich gab. Mittwoch Früh habe ich sie mit meiner Mutter auf der Insel zurückgelassen. Ich war ja nur der Kinderbote- „so fühlen sich also die Störche“ dacht ich mir um 7 Uhr morgens im Flieger zurück nach Berlin.
Donnerstag stand auf dem Programm: Konzert mit Papa in Hamburg. Darauf freute ich mich schon. In Leer hatte es bereits schon dermaßen gerockt. Ich wollte die letzte mir mögliche Gelegenheit nutzen auf dieser Tour den richtigen Text noch zu singen- ne Pascal? Achso! Zwischen Soundcheck und Gig war ich auch noch bei einem Casting für einen Film eingeladen… war auch seeehr interessant… dazu aber jetzt noch nichts…

Nach dem Konzert waren noch viele altbekannte Freunde da und es fand ein besinnliches Miteinander statt. Manche von uns zog es dann noch weiter auf – wie konnte es anders sein- die Reeperbahn. Was für ein unfassbar lustiger und feuchtfröhlicher Abend es noch wurde! Um 3 Uhr morgens standen wir noch im Cowboy und Indianer, jamten in den verschiedensten Formationen! Stefan STOPPOK am Schlagzeug, Dion Murdock am Bass Boogie Austin an der Gitarre, Pascal Kravetz und ich an den Backings und – dann Pascal am Schlagzeug, Stoppok an der Gitarre, ich am Gesang und so weiter… lange nicht mehr so viel Spaß gehabt. Leider drohte die Nacht später in einem weiteren Lokal ungemütlich zu kippen, nachdem eine politische Diskussion entfachte. Doch nach etlichen Drohungen mir in die Adresse (iPhone fand Adresse besser als fresse… ich irgendwie auch) schlagen zu wollen, gewann die Liebe!!! Eine Umarmung kann so stark sein! So gab es wieder Grund zu feiern, Arm in Arm! Nimm das Gewalt!
Leeeeeeicht verkatert, lag ich bereits um halb 11, im IC Richtung Sylt. Ich hatte mich in ein Abteil gesetzt und entweder war der Zug leer, oder es traute sich verständlicherweise keiner sich zu mir zu setzen- sicherlich aus Angst vor Beneblung beim Einatmen meines Dunstes. Das Ambiente der Kneipe hatte ich auch noch als Souvenir mitgenommen- gefangen im Textil meiner Jacke. Wenn sie nur wüssten was sie da riechen!

Nach ein wenig Schlaf im Zug, später auch im Hotel (ein herrrrliches Hotel-Relais & Châteaux Hotel Stadt Hamburg. Die haben den ganzen Tag lang Frühstück!!! Sensationell. Leute die viel unterwegs sind wissen das zu schätzen!) und einer langen Dusche ging es mir auch schon wieder prächtig. Fit genug für die Generalprobe des Förderpreises. Auf Sylt hatte ich nämlich, die Funktion als Juror zu agieren beim diesjährigen Henner-Krogh-Preis.
Danach ging es… wie sollte es auch anders sein… ins Irish Pub 🍀… Dort angekommen wurden wir mit der Musik von THE BAND – „The Night They Drive Ol‘ Dixie Down“ begrüßt. Ich hatte sofort Gänsehaut, tanzte und sang den Song euphorisch mit. Es sind bekanntlich die kleinen Dinge im Leben die einen schlagartig glücklich machen. Ich durfte dann, in der Kneipe den größten Teil der Jury etwas näher kennenlernen. So kam doch tatsächlich eine aus Ihrhove(Geburtsort und Heimat auch meines Vaters)! Ein wunderbarer Mensch.
Es hat mich am nächsten Tag auch gefreut mit solchen liebenswerten Menschen, die Aufgabe als Jury, am nächsten Tag, so einstimmig zu meistern.
Jetzt ist der Zug wieder etwas ruhiger… ich freue mich auf ne Falafel 🥙 in Berlin und natürlich wieder darauf, am Freitag der Göttin der Musik wieder dienen zu dürfen! Sie meint es gut mit mir und ich weiß es zu schätzen. Ich wünsch euch was! hr wisst ja-
Keine Zeit für Boshaftigkeit.

05. Kuhmist, Champagner und Rassisten!

4. April

Dieses Wochenende hat es mich mal wieder nach Bayern verschlagen. Über Augsburg natürlich. Ein Bahnhof der mir mittlerweile sehr vertraut ist (das 5. mal in 3 Wochen). Diesmal hieß meine „Wenn sie hier Aussteigen wollen drücken Sie bitte den Haltewunsch (ja-toll-wo-isser-denn-jetzt)-Knopf“ – Station: Sulzberg. Beim Aussteigen werde ich begrüßt von dem wunderbaren Geruch, der mich ohne Zweifel wissen lässt wo ich bin- Kuhmist und frisch gedüngtes Ackerland! Mmmmmmh! Ich liebe es! Das macht dann auch die 8 Stunden Anfahrt wett.
Eine liebe junge Dame hat zu sich eingeladen. So kamen dann auch schon bald Familie und Freunde für Trank und Schmaus und natürlich meiner Musik. Der letzte Gast bzw die letzte Zuspätkommende- sollte dann den feinen Unterschied machen… eine solche Geschwisterliebe erlebt man selten sag ich mal vorsichtig. Amüsant war es alle mal. Wir haben uns feuchtfröhlich bis in die Puppen unterhalten über Gott und die Welt. Bis dann irgendwann die Vernunft bzw die Müdigkeit siegte und ich zu einer Drei ? Geschichte eingeschlafen bin… warum auch immer…
Bei Sonnenschein und guter Laune ging es für mich am Samstag nach Kitzbühel. Ich fuhr über Kempten nach München. Von dort amüsierte ich mich im Auto mit zwei lustigen Griechen bis „St. Trop-Faut“… Ein Freund von mir hat mit seiner Frau dort ein sehr schönes Café (KitznBar) übernommen, welches über eine Dachterrasse mit „Kaiserlichem“ Blick auf Tal und Berge verfügt. Ich hätte am liebsten die ganze Zeit ein Fernglas dabeigehabt. Am nächsten Tag sollte es ein Brunch-Buffet geben, zubereitet von einem Ausnahmechef aus München. Die Nacht jedoch war immense kurz… Es wäre ja auch keine Eröffnungsfeier, ohne am Ende noch der Versuchung, an einer Striptease-Stange seine Moves unter Beweis stellen zu wollen, nachzugeben (nein, ich wars nicht). Schlaf ist doch überbewertet!… Professionell wie wir nunmal alle sind, wurde das Buffet glänzend präsentiert und ausgeführt.
Auch ich hatte noch genug Leben in mir, dem essenden Volke, das bergische Ambiente mit Geschichten aus Berlin musikalisch zu untermalen. Es war ein traumhafter Sonntag in Kitzbühel. Später mischten wir uns noch Unters Partyfolk bei der letzten Winter-Closing Party. Doch lange hielt ich das Gewummer dieser schrecklichen House-Musik nicht aus. Wir begleiteten noch einen „etwas“ angetrunkenen Kollegen nachhause. Der Arme hatte auf dem ganzen Weg zum Hotel versucht seine Jacke zu schließen- jegliche Hilfe wurde vehement abgelehnt. Es war ein bitterer Kampf zwischen Mann und Reißverschluss. Der Sieg war ihm vom herzen gegönnt, blieb ihm jedoch verwehrt. 
Endlich bei meinem Kumpel auf der Couch angekommen, grummelte mein Magen. Somit nötigte ich meinen Kumpel dazu, mit mir noch runter in eine Kneipe zu gehen, wo es noch Toast zu essen gab. Es blieb natürlich nicht beim Toast… Der kroatische, in Kitzbühel jedoch geborene Wirt schenkte uns Spezialitäten von nah und fern ein. 
Wir kamen währenddessen ins Gespräch mit- ich nenne ihn jetzt mal – Mr. Smith. Mr Smith schien ein netter Mann zu sein, mit viel zu erzählen. Leider endete das Gespräch abrupt. Die Fassade eines ekligen Rassisten viel. Er betitelte unter anderem Nicht-Europäer als unterbemittelt und krank. Leute aus Pakistan zB oder Nordafrika wären nicht gesellschaftsfähig usw. Er wäre komplett gegen die Globalisierung und ist der festen Überzeugung das Multikulti verwerflich sei. Er ist für mehr Isolierung. Der selbe Mensch der vorher stolz erzählte, dass er Ire sei. Geboren und aufgewachsen ist er jedoch in Manchester. Betonte aber immer wieder irisch erzogen und aufgewachsen zu sein; also Katholisch und mit vielen anderen Iren in der Nachbarschaft… dieser Mensch der nun seit Jahren in Kitzbühel wohnt und von dort aus Häuser in England verkauft… Dieser Mensch der beim Kitz-Kroaten sein Bier trinkt… er ist gegen sich selbst. Ich meinte daraufhin, dass ich kein Bier mit Rassisten teilen würde, zahlte die Rechnung und begab mich nach draußen.
Ich kann sowas nicht. Ich möchte sowas nicht. Rassismus ist keine Meinung! Aber selbst ein solches A******* schaffte es nicht mir mein Wochenende zu verderben. Was ein Ritt. 
So sitz ich nun im Auto (Mitfahrgelegenheit) der Fahrer, ein Holländer ( hat eine Frau aus Sachsen geheiratet- leben in Berlin) und ein weiterer Mitfahrer- ein junger Student mit Pakistanischen Wurzeln (der seine Bayrische Verwandtschaft besucht hatte). 
Passt auf euch auf und ihr wisst ja – keine Zeit für Boshaftigkeit! ❤️

06. Wohnzimmerirrsinn

23. April

Ich bereue es in diesem Moment so sehr nicht einfach zurück nach Berlin getrampt zu sein, so wie ich es eigentlich vor hatte. Stattdessen sitze ich im vollen Bus mit vier 14-jährigen Fußballspielerinnen hinter mir, die den Unterschied zwischen „ch“ und „sch“ noch nicht ganz verstanden haben. Und die Tierkunde ist auch nicht weniger erschreckend- so meinte eine doch ernsthaft beim Blick aus dem Fenster: “ Woah krass! Schwöre da is ne Gazelle! Züüüüsch!“ Gazellen in Bayern… Ja. 
Nach 2 Wochen Pause- Ostern auf der Insel mit Tochter, Schwester und Opa- Ging es endlich wieder los auf Wohnzimmerreiserei. Natürlich war mal wieder meine Logistik logikfrei. Freitag Benteler (Westfalen) und Samstag in Oberroth (Bayern). Über acht Stunden… aber wurscht. 
Freitag war eine etwas größere Feier mit zwei wunderbaren Gastgebern. Nachdem vor zwei Jahren der Herr des Hauses absagen musste wegen eines dusseligen Fauxpas beim Osterfeuer… Er habe sich wohl mit einem fiesen Stück Holz, ausgerechnet kurz vor der Verlobung, angelegt. Welches sich ohne Erbarmen um seinen Knöchel schlang und ihn mit aller Kraft ins Krankenhaus zerrte. 1-0 für Holz. Im Krankenhaus bat er dann um die Hand seiner geliebten! 1-
1. Sie sagte natürlich ja- 2-1. Nimm das du Stück Holz! 2 Jahre später, passend zum 44., hat er mich zu sich erneut eingeladen. 
Während des Konzertes im Wohnzimmer machte das Motorradtreff ca 200 Meter lautstark auf sich aufmerksam. Mit Fenster zu hörte man es nur in den Pausen. Bei 40 Gästen wirds dann auch mal schnell muggelig. Nach dem Saunagang gings dann nochmal rüber zum besagten Treff. Der MC Catweasel lud zu sich ein. Allerdings war die Scheune schon relativ leer. Die Partyreste schaukelten noch zu teilweise grauenhafter Kaugummikauende-Gören-Musik – „Wenn die Rocker nicht mehr rocken“ dachte ich „dann is vorbei..“ Beruhigenderweise kam dann doch immer mal wieder der ein oder andere rettende Klassiker. Nach diversen „Klöpper“ kam ich ins Gespräch mit einer bildhübschen Dame, deren Schicksal mich zutiefst berührte aber noch viel beeindruckender war ihre Einstellung trotz alledem. Danke fürs Gespräch… und dem Hund alles Gute! 🍀 
Der Himmel in Bayern hat zwar nicht Weiß-Blau gelacht aber unsere Laune haben wir uns dennoch nicht trüben lassen. Ein gemütlicher Abend bei Eierpunsch, leckerem Essen und einem Bayrisch-Crash-Kurs ging von statten. Um das ein oder andere „Entschuldigung, was hast du gerade gesagt“ kam ich nicht drumrum ansonsten „Hod ’s scho bassd“. 
Zum Frühstück gabs 1000 Fotos zum Unterschreiben haha. Lecker! Dazu frische Brötchen, Orangensaft und was man sonst noch so braucht um in den Tag zu starten. Außer Marmelade- das hat nicht so klappen wollen… Selbst Chuck Norris hätte die nicht aufbekommen. 
Und nu wirds kurz Ernst-
Ich habe, da ich in der Nähe von Dachau war, das KZ besichtigt. Es ist, wie erwartet, eine grausige Gedenkstätte. Welches Leid dort vielen Menschen widerfahren ist. Über 40,000 Menschen starben dort wegen eines miesen kleinen Mannes mit Bart und der blinden Gehorsamkeit seiner Untertanen und Mitläufer. Aber das Schlimmste fast an dem KZ sind die ignoranten Besucher. Lärmbelästigend umwandeln sie die Ruhestätten, während sie ihren Müll beliebig entsorgen (im Leichenraum zB wo ca 3000 gestapelte Tote bei der Befreiung aufgefunden wurden von der Rainbow Division im April 1945 – einfach lässig das Kaugummi-Papier fallen lassen) und unbedingt ihre Zigaretten rauchen müssen während sie in die offenen Öfen des alten Krematoriums glotzen.
Ich zündete eine Kerze und nutzte die Gelegenheit in der Karmel Heilig Blut – Klosterkirche zu meditieren und anschließend der Menschen zu gedenken.
Gerade bekomme ich ohrenbetäubend mit, dass die Kickerinnen hinter mir wach geworden sind… welch ein Jammer. Schnell die Kopfhörer auf- sonst fang ich auch noch an Gazellen zu sehen.
Bis nächste Woche!
Keine Zeit für Boshaftigkeit
❤️

07. Die Sau

1. Mai

I bims! Die Sau, die vor 10 Jahren durchs Dorf getrieben wurde. Ja! Dieser komische Bursche von damals mit der Emofrisur (manche würden sagen Justin-Bieber-Frisur aber das war Anno 2 B.B also 2 Jahre “ before Bieber“). Auch noch mit dem Cliché-Lippenpiercing und dem dazugehörigen Hut… 
Ja der, der auf die meist gestellte Frage: „und wie isser so?“ So tut, als wüsste er nicht, wen sie meinen. „Na der Dieter“ wird schnell hinterher gerufen. “ Ach so der… keine Ahnung, kenn ich nicht.“ Die nüchterne, jedoch stets wahre Antwort führt meist zur erfolgreichen Eroberung der Verwirrung über das Gesicht des Fragestellers, gefolgt von einer gewissen Enttäuschung. 
Ja der bin ich.
Freitag fing das Wochenende für mich mit einem Heimspiel an. Man lud mich zur Einweihung einer Wohnung im berühmten Corbiuserhaus neben der Hitlerschüssel in Charlottenburg ein. Eines der 4-5 „Wohnmaschinen“ des schweizer Jahrhundertarchitekts LeCorbusier. 17 Stockwerke, 500 plus Wohnungen und das ganze auf Stelzen stehend. Wir hatten das Thema mal in der Schule bzw es wurde erwähnt. Es endlich mal zu betreten und noch darin zu spielen war schon etwas Spezielles. Nette Nachbarn der „Hausherrin“ luden mich freundlicherweise dazu ein, ihre Wohnungen ebenfalls zu inspizieren- denn keine Wohnung ist dort gleich. 1958. Ein lehrreicher Abend ganz im Sinne der Architektur.
Das Wohnzimmerkonzert am Samstag wurde mir Donnerstag leider aus bedauerlichen Gründen abgesagt. An dieser Stelle sende ich nochmal viel Kraft in Richtung Schwelm! Nein ich bin kein Schamane und glaube nicht umbedingt an Religion oder so. Ich glaube aber an Energie! Ich bilde mir auch gerne ein, dass es was nützt, jemandem in schlechten Tagen zu gedenken und im Geiste gute Energie zu entsenden. Ob sie ankommt- keine Ahnung. Aber schaden tuts sicher nicht.
Jedenfalls machte ich auf den kurzfristig freigewordenen Termin aufmerksam – mit Erfolg. Somit fand ich mich abends in Wuppertal auf dem Ölberg wieder. Es fing alles etwas ungewohnt an. Normalerweise wissen die Gäste und Gastgeber Bescheid, weshalb ich da bin… Da es ein/e sehr kurzfristige/r Entscheidung/Vorschlag war, fehlten diverse Infos. Zudem erfuhr ich auch vor Ort erst, dass es sich um eine Mottoparty handelte. Bevor ich mit verzogenem Gesicht fragen konnte informierte mich die Freundin der „Veranstalterin“: “ es ist ne 70er Jahre-Party. Ich hoffe das ist ok.“ Ich lachte und fragte mich, ob sie wohl ne Brille brauche… Würde man mich mit Hilfe einer Zeitmaschine zurück in die 70er „Beamen“ so wäre ich sicherlich kaum aufgefallen (lange Haare, braune Stiefel, Jeanshose, türkisfarbenes Hemd und eine Jeansjacke) – bis auf die Tatsache, dass ich alle 10 Minuten einen Heulkrampf bekommen hätte vor Freude… und sicher kurz darauf eingewiesen worden wäre. Da meine Birne beim Entscheiden, welche Band ich mir als erstes angucken sollte, sicher durchgebrannt wäre. Wobei es eigentlich klar ist- Sly and the Family Stone… nein The Faces, quatsch Little Feat, Bill Withers man du Idiot Free… ihr versteht was ich meine, oder? 
Die Wohnung, in der wir feierten, war herrlich her- und eingerichtet. Wenn ich nicht gerade aus den Fenstern schaute, hätte ich meinen können, ich befände mich in einem kleinen Landhaus. Es fehlte nur der Kamin. Die „Hippies“ vom Ölberg nahmen mich wohl auf und so tanzten wir nach erfolgreichem Musizieren zu nostalgischen Melodien der glorreichen 70er. Ein Hoch aufs „Flensmant“ (Flensmant, das: wenn man rechts ein Flensburger hält und links sich abwechselnd an einem Cremant bedient)!
1943, als die Alliierten dabei waren, das Ruhrgebiet platt zu machen, schaffte es der Ölberg teilweise unverschont zu bleiben, trotz weit über 3000 Tonnen Sprengstoff. In Wuppertal sagt man sich, es war ein dichter Nebel, der den Häusern und Menschen Schutz bot. So flanierte ich bei strahlendem Himmel durch die schönen Straßen der Nordstadt und mogelte mich, auf einem kleinen Künstmarkt unters Volk. Dort gab ein älterer orientalisch gekleideter, barfuß sitzender, bärtiger Mann nylongitarrenspielend Bossanovas auf Portugiesisch und weitere Weltsprachen zum besten. Ich kaufte mir zwei Bücher – Der Junge aus Limerick von Malachy McCourt – und ein Buch der schwarzen Magie mit Schwerpunkt – Beschwörungen… Es sah so interessant aus…
Eine Runde auf der Schwebebahn genehmigte ich mir ebenfalls, bevor ich mich nach Winkel begab. Ja Winkel liegt im Odenwald. 
Eine aufgeweckte hübsche junge Dame schrieb mir vor ein paar Monaten eine sehr lustige und herzerwärmende Anfrage, auf ihrem 18. Geburtstag zu spielen. Ich war sehr positiv überrascht vom Anstand der jungen Mädels, dass sie nicht vor den Handys saßen oder dergleichen, sondern wirklich zuhörten. Sie trauten sich sogar ein paar Fragen zu stellen. Somit vollzog ich noch nach dem Konzert meinen Bildungsauftrag und klärte über diverse Umstände im Casting und Musikbusiness auf. Was auf einer solchen Party auch nie fehlt? Tratsch! Nun bin ich auch bestens informiert über den heißesten, sogar den brandheißesten Gossip des Martin Luther Gymnasiums. 
An diesem Wochenende dachte ich viel über mein geringes musikalisches Output nach. Und über meine Scheu davor. Sachen aufzunehmen und sie als Produkt oder wie man es nennen will, rauszugeben. Ehrlich gestanden befinde ich mich in einer hässlichen und schwerwiegenden Schreibblockade. Erklären tue ich es mir damit, dass ich mich seit Jahren mit Liedern abschleppe, mit denen ich noch nicht abgeschlossen habe- sie noch nicht richtig aufgenommen habe. Diesen Sommer werde ich versuchen, dieser theodosianischen Mauer, eine Offensive zu bieten, wie einen Befreiungsschlag oder gern auch ein buskohlschen Räumungs- oder Schlussverkauf… nur, dass danach nicht Schluss sein soll. Nur Platz für ein neues Kapitel. 
So und nun ab in den Mai mit euch!
Bis nächste Woche.
Keine Zeit für Boshaftigkeit! ❤️

08. „Ich glaub der muss mal zum Friseur“

10. Mai

…lallte der fettleibige Löwe, woraufhin ich ihn darauf aufmerksam machte, dass er es auch mal mit einem Trainingsrad versuchen könnte. Ich drehte mich um und widmete mich wieder dem heißen Billardspiel auf dem wohl ranzigsten Tisch ganz Braunschweigs ach ganz Niedersachsens- was rede ich- das ist der ranzigste Tisch WO gibt! So ließen wir, mein Kumpel und ich, den Abend nach dem Besuch im eintrachter Stadion ausklingen zusammen mit einer lieben Freundin, die uns eine Bleibe bot, und einer ihrer Freunde- Ach und irgend so ein netter ältere Herr, den wir aus der letzten Kneipe, die bereits zumachte, mitschleppten. Das magere Nachtleben, an einem Montag in Braunschweig, führte uns in eine düstere Kaschemme, dessen Jukebox kaputt war- so saßen die Außenseiter der Löwenstadt bei Todesstille an ihrem Kummerglass. Wir befreiten die Menschen aus den Klammern der Stille und verbreiteten lautstark gute Laune. So hoben sie nicht mehr das Glass aus Kummer, sondern um mit uns, trotz Union Berlin-Schals, anzustoßen.
Vor vier Tagen stand ich noch in Bielefeld aufm Klosterplatz, und eröffnete die neue Saison für den Abendmarkt – wo demnächst jeden Donnerstag Künstler spielen sollen. Es war aber, ums nett auszudrücken, nicht so tolles Wetter. Die Sonne sie ward bestellt, und doch ließ sie uns im Stich. Stattdessen – nasses, irisches Winter-Nieselwetter, welches einem von unten hoch in die Hose kroch und unter die Haut. Dementsprechend waren nicht so viele Menschen dort. Aber es gab gut 20-30 Leute, die es sich unterm Schirm, mit dicken Decken gemütlich machten und mutig bis zum Ende, mir zujubelnd, blieben. Danke dafür!
Ich genieße die Bahnstrecken sehr, die von Köln runter am Rhein entlang führen. Das strömende Wasser, die Boote, die schönen Weinberge, die fetten grünen Wälder, die knuffigen Städtchen und dessen Schlösser und Türme die beschützend über ihnen, in Felsen beeindrucksvoll rein gemeißelt, wachen. 
Diesmal begleitete mich der Rhein bis nach Königswinter. Dort animierte uns das fabelhafte Wetter dazu, bei Nachteinbruch, das Wohnzimmerkonzert auf die, von einem Baldachin beschützte Terrasse, zu verlegen. Bei Kerzen Licht, Bier und allerlei Liköre (Pampelmuse, minz-schoko, Eier, Lakritze, Kirsche, Einhorn etc.!) amüsierten wir uns prächtig. Unter den lieben Gästen weilte auch der “Bayer Leverkusen-Ticker.” Empörungen und Pillenwitze in 3, 2, 1…. Ja ich bin Leverkusenfan. Jedenfalls ist er für die Live-App der Werkself zuständig. Gesprächsthema des Abends also: Fußball. Ich glaube ich habe im leben noch nicht so lange über Fußball gefachsimpelt, wie an jenem Abend. Ein absolutes Nerdspektakel was da von statten ging. Mein lieber Herr Gesangsverein. Bis 5 Uhr morgens haben wir unser Fußballwissen zum besten gegeben, inklusive Nationalelmannschafts-EM-WM-Kader-Ratespiel von 1992 bis 2008. Sowas Bescheuertes…
Für eine 170 km weite Autostrecke, bin ich vier Mal umgestiegen und habe ebenso viele Stunden gebraucht. Aber was tut man nicht Alles… Endziel war das alte Jugendhaus der Gastgeberin in Schotten. Hinterm alten Haus, befand sich ein sehr großer wilder Garten, mit Teilweise kniehohem Graß und Blumen. Dazwischen waren ein paar kleinere Bäume mit einer Hängematte und weiter hinten stand ein riesiges, marodes Baumhaus. Inmitten des Gartens brannte ein großes Feuer. Daneben der charismatische Vater des Geburtstagkindes, der mit einer Heugabel dabei war das Feuer zu füttern. Drumherum saßen bereits Gäste, die dabei waren, ihre aus Quark- und Mehl bestehende Mischung an einen Stock zu winden, um diesen dann ins Feuer zu halten. Es fand ein unerwartetes Multikulti-Fest statt im Schatten des Hoherodberges. Trotz Feuers war es doch recht frisch draußen, und so fand das Konzert nicht draußen, sondern an ihrem traditionellen Platz statt. Während des Aufbruchs der Gäste, schlug der Vater vor uns alle in den Iran zu fahren, in seine alte Heimat. Ich wäre sofort mitgefahren… Schade war dann doch nicht sooo ernst gemeint.
Am Rhein wieder entlangfahrend, stellte ich mir vor, es wäre der Karun, der statt durch den Taunus und die Eiffel durchs Zagrosgebirge, im Süden Irans, floss. Am Sonntag gönnte ich mir in Dortmund ein Konzert von Doyle Bramhall II (Arcangels, Eric Clapton etc..). Er spielte im Konzerthaus Piano (ein überragender Laden!). Ich ließ mich über drei Ecken kompliziert auf die Gästeliste setzen- erwähnen tue ich dies nur weil ich wenige Stunden vorm Konzert erfuhr, dass ein guter Freund aus Münster, mit dem ich die ganze Zeit über das Konzert schrieb- von wegen wie sehr ich mich freute, und “ oh ja, hoffentlich schaff ichs auch…”, der Tourmanager von ihm ist bzw er auch die Tour gebucht hat. Also echtmal! Das hätte er ruhig mal erwähnen können, oder? Die ganzen musikalischen, bunten Vögel aus Münster waren dementsprechend auch vor Ort. Es war ein tolles Konzert. Anfangs wirkte Mr Bramhall etwas unkonzentriert aber das letzte Drittel machte alles wieder gut! Nicht, dass es davor nicht schon gut war. Das ist Meckern auf gaaaanz hohem Niveau hier… Bloß danach wurde es göttlich. Nach dem Konzert fuhr ich mit zwei gestrandeten münsteraner Jungs und einer Freundin nach Schwerte, wo mir der Rocknroll Doctor Theo sein niedliches Gästehaus im Garten zur Verfügung stellte- nicht ohne vorher noch das ein oder andere gute Paderborner, Traubensaft und Kartoffelsaft an der Tanke eingesammelt zu haben.
Montag gings dann ab, wie bereits erwähnt, ins ausverkaufte Eintracht-Stadion… 93 Minuten, in der Fankurve stehend, Chöre mitgröhlen. Platz 4 ist auch ok Jungs! Ich freue mich schon auf den HSV in Köpenick.
Falls ihr euch gefragt habt, wie das Billardspiel ausgegangen ist- Es gab keinen in dieser Kneipe, keinen der diese Pool-Machine aka BillardBuskohl aufhalten konnte! Die Löwen blieben zahm. Ich danke, wie mein Kumpel Christof Stein-Schneider zu Zitieren pflegt, der Göttin der Musik, dass ich ihr ein weiteres Wochenende dienen durfte. Und ihr wisst ja- Keine Zeit für Boshaftigkeit!

09. Mutters Sorgen

14. Mai

20 plus Stunden habe ich dieses Wochenende wieder für 2 Konzerte in diversen Bussen und Zügen gesessen. Nein, das sollte keine Beschwerde sein. Wer wäre ich, mich nicht glücklich schätzen zu können, dass man mich überhaupt zu sich einladen und mir lauschen möchte. Es hat lange genug gedauert aus meinem Frust, den ich in mir trug, und in gewisser Weise noch immer mit mir schleppe, in positive Energie umzuwandeln. Denn jetzt ist es nicht mehr Wut, oder Enttäuschung sondern eher Dankbarkeit. Ja das klingt nach einer Textzeile aus dem neuen Helene Fischer Album oder vom Hit-Song von Jim Pandzko, aber ich meine es Ernst. Es braucht nicht viel um einen Menschen zu brechen. Es brauchte auch nicht viel um mich zu brechen. Und heute brauche ich nicht viel um Glück zu empfinden.
Vor genau 10 Jahren war ich 18 Jahre alt und mich kannte nach einer Umfrage damals, jeder 5. Deutsche. Ich selber halte nicht soviel von solchen Statistiken, aber es kam mir auch genau so vor. Innerhalb kürzester Zeit wurde ich berühmt. Berühmt für was? Für meine Stimme würden viele sagen. Aber das ist falsch. Ich war berühmt, weil ich jede Woche bei vielen Menschen zuhause im Wohnzimmer lief. Es wäre im Prinzip scheissegal gewesen was ich gemacht hätte, die Leute hätten mich trotzdem gekannt. Einen solchen Ruhm erarbeiten sich manche Künstler über Jahre- wenn überhaupt. Doch es ist nur künstlich, es hat kein Fundament, nichts worauf man weich zurückfallen kann wie es manche Bands oder Künstler tun können, wenn sie mal ein schlechtes Album nach 5 oder 7 Jahren veröffentlichen. Ich bin ja nicht der Einzige, dem dies widerfahren ist. Nun habe ich diese Aufmerksamkeit und da kommen auch sofort die Spezialisten, darüber beraten, wie ich am besten damit umgehe und wie ich oben bleibt. Es ist im Prinzip der Zenit, den Künstler irgendwann im Laufe ihrer Karriere erreichen. Ein solcher Zenit, der so manchen Menschen die Luft schon nahm und kaputt machte. Was ich sagen möchte ist, dass ich dem Ganzen auch nicht gewachsen war. Und ich auch, wie viele, die harte Seite eines beknackten Businesses zu schmecken bekam. Sie polierte mir die Fresse! Ich strauchelte die weiteren Jahre, ob mit Band oder alleine bei Universal und versuchte irgendwie, irgendwo noch Halt zu bekommen in einer Branche die mich schon, ab dem Moment wo ich bei DSDS anfing, im Prinzip abschrieb. Zumindest gaben mir die Medienpartner das so zu verstehen. Ich habe mich prägen lassen davon, ich habe es an mir abfärben lassen und habe viele Menschen, Freund und Familie wehgetan und enttäuscht. Aber es gibt einen Menschen der mich in allem unterstützt hat. Egal wie abgefuckt die Lage. Und das ist meine Mutter. Ohne sie wäre ich sicher schon auf der Straße irgendwo, mit dem Kopf im Sand vor lauter Selbstmitleid. 
Wieviel Enttäuschungen Eltern ertragen können. Ich hoffe mir erspart meine Tochter meine Missetaten. Ich kann es nur einem jeden wünschen, einen solchen Menschen, der einen dabei unterstützt den auch noch so utopischen Traum nachzugehen, zu haben. 
In den letzten 4 Jahren fing ich an langsam zu begreifen was ich möchte. Wo ich hin will. Und was das war, was mir den Spaß an Musik raubte. Mit Straßenmusik und kleinen Konzerten baute ich mich auf. Sicher habe ich mich noch längst nicht gefunden, aber ich bin dem Ganzen ein gewaltiges Stück näher gekommen.
So weiß ich es sehr zu schätzen, dass ich am Freitag in einem Dorf bei Buchholz ca 40 Leute (samt Bürgermeister), von Pferden umzingelt, bespielen durfte. Ein herrliches „Outdoor Wohnzimmerkonzert“ bei empfänglichem Publikum. Für Sicherheit und Begrüßung sorgten die zwei „Hofhunde“. Vlt klappt das ja mit dem Wernerkonzert ;)
Gestern spielte ich im Norden Stuttgarts ein sehr privates Konzert. Ich werde mich wohl nicht so schnell daran gewöhnen vor nur 2 Leuten zu spielen. Ab dem Moment, wo ich es erfahre, dass es sich um ein solches Wohnzimmerkonzert handelt, überkommt mich ein komisches Gefühl. Erst etwas unangenehm vielleicht, aber im Laufe des Abends bzw während ich spiele, überkommt mich ein Gefühl der Selbstverständlichkeit. Ein warum eigentlich nicht- ist doch gar nicht so schlimm. Vielleicht ist es mit dem Moment zu beschreiben, wo man sich doch dazu überwindet auf die Tanzfläche zu gehen, auch wenn man alleine ist. Oder wenn man ins vermeintlich kalte Wasser springt und merkt – hey, das ist gar nicht so kalt! 
Also 20 Stunden sind erträglich. Es ist eigentlich noch nichtmal erwähnenswert. Ich möchte kein Mitleid, denn ich verdiene es sicher nicht, denn mir geht es gut. Danke Mama! 🌺 
Ihr wisst ja keine Zeit für Boshaftigkeit und
Ps (meine Mutter schickt mir immer Korrekturen meiner wöchentlichen Berichte.)

10. Udopie!

24. Mai

Heute spielt Udo Lindenberg in Düsseldorf. Fast vor drei Jahren stand ich hinter der Bühne und war Zeuge eines Eventfiaskos im Düsseldorfer Stadion. Die Umstände: 36 Grad, die Auftrittszeiten wurden falsch angekündigt, das Dach ging nicht auf (stickig), das Wasser ging aus (für 45,000 Leute). Zwischen Vorprogramm und Udo lagen nun noch eine Stunde Wartezeit (einlass war um 14uhr oder so Vorprogramm um 19uhr und Udo um 21uhr)… Das Publikum war sauer, enttäuscht und gaben vonsich laute Burufe und Pfeifkonzerte. Becher flogen auf die Bühne… Da hörte ich wie einer der Techniker meinte-“ haben wir nicht irgendeinen Idioten, den wir auf die Bühne schicken können?“ Schneller als mein Verstand, hob ich die Hand und meinte ohne zu zögern- „Klar, ich machs.“ Sie drehten sich zu mir um und guckten mich prüfend an… Wahrscheinlich um sicher zu gehen, dass ich nicht betrunken und oder einen Sonnenstich hatte. Nach dem ich sie davon überzeugen konnte, dass ich weder betrunken war noch ein SOnnenstich hatte bzw jedeglich nur einen an der Klatsche habe, nahm ich Vaters Gitarre und ging auf die Bühne… Ich durfte das an dem ABend nicht sagen, dass ich eingesprungen bin. Das war die Bedingung. Das war schon nicht schlecht.
Während des Spielens, fingen viele an zu pfeifen und irgendwas zu rufen. Das verunsicherte mich so sehr. Wusste nicht ganz wie ich mit der Situation umgehen sollte. Auf einmal kam dann mitten drin ein riesen Applaus… Und ich dachte mir, Udo wäre vlt zur Unterstützung gekommen oder wer auch immer um mich zu retten. Aber es war keiner hinter mir. Im Nachhinein stellte sich nämlich heraus, dass man mich nicht richtig hören konnte. Sobald ich dann überall zu hören war, haben sie applaudiiert… Gut, dass ich nichts gesagt habe.
Die Presse hatte damals den Auftakt von Udo zerissen. Sie berichteten kaum vom Konzert (welches bombastisch war). Meine Wenigkeit wurde ebenfalls nur mit „irgendein Ex-DSDS Kandidat“ erwähnt.
In Leipzig durfte ich dann auch beide Abende dabei sein, aber am letzten Tag hatte meine Tochter Geburtstag also blieb es nur bei den zwei Auftritten.
Ach ja. Thanks Panikfamilie! Und viel Spaß heute Abend!

11. Dimension Söhnke

24. MAI

Es ist als beträte ich kurz eine andere Dimension, oder eines der Paralleluniversen. Ich spüre so viel Kraft und die Parallelwelt lässt mich aus meinem Körper fahren, wie bei einem Acid-Trip. Dennoch bin ich irgendwie da. Es ist ein unfassbar starkes Medium, durch welches ich meinen Frust, die Wut und Trauer, aber auch Glückseligkeit leite. In Form von S Ö H N K E. Unser alter Ego, der Sündenbock. Wir befreien uns mit S Ö H N K E vom Alltag mit Riffs und Rhythmen. 
Wohnzimmerkonzerte sind da schon etwas Anderes. Nicht schlechter oder weniger wert aber anders!
Auch ein Open Air Konzert, wie auf Wangerooge am Donnerstag auf dem Friesen Woodstock. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht auf dieser wunderschönen Insel, im süßen Park bei strahlender Sonne zu spielen. Ich blieb auch gleich von Donnerstag bis Samstag. Ich kam natürlich nicht drumherum, am Freitag noch ein spontanes Konzert beim Radek vorm Brotway zu spielen. Der Verrückte hat mich mit seinem polnischen Charme und seinem witzigen kleinen Laden überzeugt. Auf der Insel sprach sich das auch schnell rum. Trotz bescheidenen Wetters, mit einem Küstennebel, der wie ein Geist durch die autofreien Straßen Schlich, kamen einige Neugierige vorbei und so wurde ein legendärer Abend auf Wangerooge eingeleitet. Die Insel ist stark! Wenn ich mal schlecht gelaunt bin oder so, brauch ich nur dahin zu fahren- denn da kannte mich nach einem Tag jeder haha. Auf der Insel ein Star! Gut fürs Ego war das. 
Samstag hätte ich eigentlich die erste Fähre um 9:00 nehmen sollen- zurück ans Festland bzw 9:00 fuhr der Zug los von der Stadt durch das Naturschutzgebiet zum Hafen (da es eine autofreie Insel ist). Doch alle drei Wecker die ich mir stellte, waren nutzlos. Mein Schlaf zu tief. So wurde ich um 8:53 wach, sprang auf und lief panisch rum wie ein kopfloses Huhn. Anstelle von Blut entsprang meiner Kehle ein Niagra Falls an Fäkalsprache. Doch plötzlich entspannte sich mein Körper, ich erhielt eine Botschaft aus dem Jenseits. Eine Botschaft, die mir sagte- „scheiss drauf, den Stress tust du dir jetzt nicht an. Du hast ein flex-Ticket, kannst also jeden beliebigen Zug von Bremen nach Dortmund nehmen. Es fährt zwar später kein Bus mehr dahin, aber dafür finden wir auch eine Lösung. Also leg dich wieder hin!“ Gesagt getan. Ach und es war die beste Entscheidung. Mein Plan war es, die Leute aufm Schiff zu bequasseln und gucken ob nicht irgendjemand Lust hätte den verplanten Musiker nach Bremen zu fahren. Um 12 stand ich am Zug zum Hafen, erzählte meinem Wangeroorger Manager von meinem Plan. Da bot mir doch tatsächlich, an Ort und Stelle, ein netter Herr an, mich bis nach Duisburg zu fahren… Jackpot! Frei nach dem Motto- „Wenns schnell gehen muss: lass dir Zeit“. 
In Dortmund im Pokalwahnsinn angekommen, holte mich die liebe Familie vom Bahnhof ab und brachte mich ins Lehrernest. Da ich ja selber eine Mutter als Lehrerin habe, wusste ich aber bestens mit der Situation umzugehen. Es musste natürlich erstmal gemeinsam Fußball geguckt werden, bevor ich im Hintergarten mit etwas Bedenken mein „Pädagogenkonzert“ gab. Es war ja schon spät und wegen der Hitze hatten viele der Nachbarn ihre Fenster auf. Doch nach dem 3.-4. Lied, klatschten, uns nicht sichtbare Nachbarn, mit. Sogar, als ich mich bei den Gästen und Gastgebern bedankte, kam ein lautes „bitte!!!“ aus einem der Fenster. 
Also Wohnzimmerkonzerte liebe ich auch. Aber ich spüre gerade in mir ein inniges Verlangen – jetzt, heute, sofort mit der Band wieder auf die Bühne zu gehen oder in den Proberaum. Musik schaffen, und lautstark Gefühle preisgeben. Sich die Seele ausm Leibe zu singen, wie man so schön sagt. Es kribbelt! 
Wir haben gestern in Münster gespielt. Bei „Sebel + ?“. Die Veranstaltung, die ich früher moderierte. Etwas ungewohnt also war es, für mich als Gast in Münster auf die mir so bekannte Bühne zu treten, auf welcher ich, an meinen Abenden, Menschen wie Otto, Henning Wehland, Pohlmann, Dorkas Kiefer, Wirtz, Martin Semmelrogge uvm begrüßen durfte. Gestern war das Fragezeichen (der Überraschungsgast) Stoppok. Ich freute mich riesig ihn zu sehen und zu hören, später auch noch einen Underberg mit ihm teilen zu können und ihn damit zu ärgern- 4’mal denselben Song ausgesucht zu haben an der Jukebox. Er ist der Grund, weshalb ich weiterhin deutsche Texte schreibe – er ist mir ein großes Vorbild! Wer jemals die Chance bekommen sollte ihn irgendwo live zu sehen… es lohnt sich so dermaßen!
Ach Münster ich mag dich! Münster im Sommer… meine Güte. Ich habe mich heute aufm Weg zum Bahnhof 5 Mal verliebt. Mindestens! 
Schweren Herzens sitze ich nun einsam und nass im Zug. Ja- in Hamm hatte es so herrlich geregnet. Der warme Regen zog mich, wie eine Mücke zum Licht, an. Erhobenen Hauptes genoss ich jeden Tropfen. Summer Rain! So schön- zu blöd, dass die Klimaanlage ausnahmsweise mal funktioniert. Egal. Schöne Woche euch! 
Ihr wisst ja- Keine Zeit für Boshaftigkeit!

12. Ol die Luft

9. Juni

Ich habe in den letzten paar Jahren nicht ein Mal Oldenburger Luft schnuppern dürfen. Heute aber würde ich zum 3. Mal in drei Wochen in den Genuss kommen. Mich lud die Frau des Geburtstagskindes ein, da sie beide, insbesondere aber die Töchter, begeistert waren von meinem Auftritt vor 3 Wochen. Diesmal bei stabilem und sonnenreichem Wetter im gegenüber liegenden Schrebergartenhaus. Wie schon bei den Nachbarn zuvor, war der Abend wieder äußerst entspannt. Mit wärmendem Feuer, schlafenden Kindern, sich über den Alltag beklagende Eltern und spirituelle Erleuchtungen.
Samstag gabs morgens noch eine Singstunde mit den Kindern und dann ging es für mich nach Lüneburg auf ein Festival. Am Freitag postete ich auf Facebook, dass ich ein spontanes Konzert zwischen Oldenburg und Hamburg suche. Etwas später sah ich, dass die fantastische Band und Freunde von mir- Gurr auf dem lunatic Festival am Samstag spielen. https://www.youtube.com/watch?v=rYnXaJrXS8I Das
Lunatic ist ein tolles Uni-Festival, mit spannenden Line-Ups. Ich versuchte mich aus Dankbarkeit als Roadie – lud das Equipment mit ein und aus und half mit dem Merch. Die Mädels und Brandon haben ein wundervolles Konzert gegeben. Ihr erstes “großes” Festival in diesem Sommer. Die Aufregung hat man nicht zu hören oder zu spüren bekommen. Vom ersten Ton an verzauberten sie jung und alt mit ihrer wilden, rebellischen, selbstverständlichen aber auch süßen Art. Wie ein schizophrenes EInhorn.
Zusammen guckten wir uns danach noch diverse Bands an – unter anderem Warhaus (sehr cool!) – und genehmigten uns den ein oder anderen Schnaps, gewannen Pepe-Taschen und versuchten uns an den Hula-Hoops. Später revanchierte ich mich und packte im Backstagebereich meine Gitarre aus und gab ein paar zum Besten. Künstler, sowie Festival-Mitarbeiter stimmten mit ein und ließen so den Abend mit uns ausklingen. Auf dem Weg zum Hotel spielte ich noch für ein Bier vorm Zaun eines Vorgartens, wo es sich Leute gemütlich gemacht hatten. Zu unserer Enttäuschung, gab es im Hotel nichts mehr zu trinken und keine Zigaretten. Während wir da so auf der Terrasse oben saßen, kam ich auf die genialste Idee. Schnell lief ich runter und ging raus zur Straße. Da kam mir auch schon zufällig ein Taxi entgegen, welches ich zur Tankstelle nahm um noch Bier und Zigaretten für alle zu holen. Genial oder? Ich realisierte erst unten am Hotel, dass ich gar keinen Schlüssel hatte und mein Handy oben, draußen auf der Terrasse bei den anderen lag. Au Kacke… Doch so schnell sollte ich nicht aufgeben. Ich lief ums Haus herum, und suchte nach einem leicht erklimmbaren Zugang zur Terrasse. Voller Zuversicht eine Möglichkeit gefunden zu haben, fing ich an zu klettern. Ich kletterte auf ein Dach einer Garage neben dem Haus. Oben angekommen sollte ich das schnell bereuen. Das Dach war nämlich nicht aus Ton wie erst gedacht, sondern aus gewölbtem Blech und riss mit jedem Schritt ein riesiges Loch in die Nachtruhe! Ich schaffte zwei Schritte. Es waren die lautesten zwei Schritte in meinem Leben. Ich blieb erstarrt stehen. Versuchte mich irgendwie unsichtbar zu machen. Von unten kam auch schon ein Lichtkegel. Im Ninjamodus, hielt ich die Luft an… Der Lichtkegel verschwand, doch das Fenster vom Nachbarn – genau auf meiner Höhe – ging auf. Vehement rief er mir Fragen zu, die ich mir in dem Moment auch stellte – was in Gottes Namen tust du da? Wer bist du? Hast du sie noch alle? Ich stammelte bloß irgendwas zurück von wegen- Handy und kein Schlüssel und dass er die Polizei nicht zu rufen bräuchte. “Alles ok” meinte ich zuversichtlich und begab mich nach unten. Das DAch knatterte wieder. Unten angekommen begrüßte mich der grelle Lichtkegel im Gesicht. Er kam aus dem Fenster, wo ein alter Herr im Nachthemd mich etwas bedröppelt anstarrte. “Wollen sie uns ausrauben?” fragte er ernsthaft. Mit erhobenen Händen versuchte ich mich zu erklären und vergewisserte ihm, ihn nicht ausrauben zu wollen. Vorne am Hotel angekommen standen zwei meiner Freunde an der Tür. Sie meinten es wären eh alle schon schlafen gegangen… Na toll.
Samstag gings für mich nach Hamburg. Ich besuchte die Kunstausstellung von Max Pechstein (fand ich nicht gut), und tuckerte mit der Fähre bei strahlender Sonne über die Alster, ehe ich mich abends zum Wohnzimmerkonzert begab, im Osten der Stadt. Es war eine angenehme kleine Mädelsrunde. So sympathisch, dass ich sie danach einlud mit mir in meine Stammkneipe auf der Reeperbahn zu kommen. Trotz etlicher Warnungen, dass es dort ganz schön assi werden könnte und vlt die Musik etwas sehr rostig klingt, waren sie bereit. Zu meiner Freude spielten Kumpels von mir. Also überraschte ich sie bei Ankunft auf der Bühne und sang das Ende von Hey Jude mit, wo ich vom Barkeeper direkt ein Bier in die Hand gedrückt bekam. Willkommen in Hamburg… Meine Perle. Die Mädels hatten sich ebenfalls prächtig amüsiert. Das Cowboy und Indianerist einfach Kult.
Am Montag schlenderte ich die Elbe entlang und traf mich anschließend mit einem Produzenten um zukünftige Pläne zu schmieden. Abends löste ich im Cowboy und Indianer den angeschlagenen Dennis Adamus ab und spielte spontan um 2-3 Uhr morgens ein paar Nummern, begleitet vom Gitarristen Boogie Austin. Danke dafür mein Lieber.
Dienstag morgen wachte ich in einem Zirkuswagen auf… Zu meiner Freude befanden wir uns immernoch in Hamburg. Nein es war nicht die Schlangenfrau und auch nicht der Löwenkäfig… Gottseidank… wobei.. Egal. Dann hat man das auch mal gemacht. Von dort aus ging die Reise für mich weiter ins Westerland auf Sylt, wo ich zusammen mit Lennart A. Salomon, Joel Havea und Mädi Tation bei der wundersamen Powerfrau Elke Wenning im Kursaal³ einen “Song Ping Pong” Abend verbrachte. Wir redeten noch ein paar Stunden über Musik und tauschten unsere Erfahrungen aus als Musiker. Und gingen nicht all zu spät schlafen. Ein langes, wildes Wochenende ging schön entspannt zu Ende.
Am Mittwoch dann endlich- Nur zwei Züge – und ich sollte in Berlin sein. Jetzt sitz ich schon wieder im Zug Richtung Hagen. Es geht also wieder los. Ich danke der Göttin der Musik, dass ich ihr wieder dienen durfte!
Ihr wisst ja- Keine Zeit Für Boshaftigkeit und schönen Freitag euch!

13. Gurr Gurr Gurr

20.Juni

Seitdem ich denken kann, findet „Panik“ in meinem Leben statt. Bewusst habe ich die späten 90er und Anfang 2000er noch mitbekommen. Ich weiß noch wie ich, mit 13, zusammen mit meinen Bandkollegen (Noise-Metal band – Animus) unser Taschengeld aufbesserten, indem wir mit unseren Backstage-Aufklebern Leute systematisch rein lotsten. Die Klebkraft reichte nur für ein paar Gäste und zusätzlich war die Arena in Berlin grad mal halb voll- somit haben wir auch nicht viel verlangen können… es waren lediglich 1500-2000 Gäste da!!! So stand ich am Sonntagabend vor der Bühne (einer von 18,000) und genoss das letzte Konzert der Tour, die im Prinzip im Sommer 2014 anfing. Das Ende eines gigantomanischen Kapitels in der Karriere des huttragenden, Nuschelspezialisten und Wundermenschen – Udo Lindenberg. Die Performance und Bedeutung des Songs „stärker als die Zeit“ waren symbolisch und trafen mich mitten ins Herz. Gänsehaut. Es ging nicht nur für Udo ein Kapitel zu Ende, sondern auch für mich, denn auf der Bühne war ein mir ganz besonderer Mensch – ich meine fast alle auf der Bühne sind wie Familie – in diesem Fall geht es aber um einen Menschen, den ich vor 2 Jahren kennenlernen durfte. Aber es war einer dieser bescheuerten Herzschmerz-es-sollte-nicht-sein-Beziehungen. Es war mir so wichtig mich ordentlich zu verabschieden von diesem Menschen. Normalerweise verschlägt mir nicht viel die Sprache – doch beim Versuch am Ende des Abends, um halb 5, wo ich mich endlich traute, vernünftige Worte zu finden, die meinen Emotionen und unserer Situation gerecht kämen, versagte mein komplettes Kommunikationssystem… wenn ich ein Mac wäre, wäre nur noch der Regenbogenball zu sehen und man hätte mich neustarten müssen. Wobei, das hätte sicher auch wenig gebracht ohne funktionierendes Betriebssystem. Es war ein jämmerlicher Abschied. Nein, und nicht nur weil ich getrunken hatte- Aber so ist es halt manchmal. Machste nix. Vielleicht ist das ja auch besser so. Kapitel abschließen. 

Freitag brachte mich die Göttin der Musik wieder nach Köln-Pulheim. Dort wo ich bereits vor ein paar Monaten in den Genuss von „Flimm“ kommen- und dessen Brummkraft am nächsten Tag bewundern durfte. Immer wieder angenehm in Pulheim bei einer sehr lieben Familie. Eigentlich hatten wir am Abend noch Einiges vor- wie letztes Mal in der Dorfkneipe Karnevalslieder anstimmen- doch der Juniorchef war der Meinung wir müssten zu dritt in einer Stunde 2 Liter giftgrünen Schnaps zur Stärkung trinken… bis er sich lallend mit „iiich glaubee isch muhss ins Bäähtt“ verabschiedete. Es war halb 1!!! 
Mir sollte es ganz recht sein, denn ich musste am nächsten Tag um 10 los und mich nach Baden-Württemberg begeben. Das nächste Ziel hieß nämlich Aalen… bei der Frage wo Aalen liegt sag ich – es liegt zwischen Vielem und im Nichts. Vor drei Jahren war ich ebenfalls schon mal dort… Im Hause des kleinen, großen „Euro Eddys“. Jedem KSC-Fan müsste er sofort ein Begriff sein und sicherlich auch den Eintrachtern. Ich überlasse euch „Bobs“ die Recherche (ma gucken wer den schnallt). Es war der Geburtstag seiner Frau. Eigentlich wollte sie gar nicht feiern, doch ihre Tochter erzählte ihr, dass sie mich bereits gefragt und ich mich schon bereit erklärt hatte zu kommen – beste Entscheidung! Also nicht nur, dass ich eingeladen wurde, sondern überhaupt die Entscheidung den 50. zu feiern. Ich stand einem aufmerksamen Publikum gegenüber und einen Überraschungsauftritt gab es auch noch oben drauf. Die jüngste Tochter kam doch tatsächlich zu mir und fragte ob wir im Duett „Sidewalk Conversation“ singen könnten – den Lieblingssong der Mama. Ein toller Moment! 
Am nächsten Tag nötigte ich die Initiatorin des Ganzen mich um 7 Uhr morgens zum Bahnhof zu fahren, damit ich rechtzeitig vor elf in Mannheim den Tourbus des Panikorchesters nach Köln erwischen konnte. Den Tourbus, in dem ich viele meiner Schulferien verbrachte. Schöne Erinnerungen. 
Nach dem bombastischen Konzertabend, samt emotionalem Abschluss in der Früh, gönnte ich mir noch einen entspannten Tag in Köln mit Vattern und AKO. 
Verrückte Emotionen. Ich schätze mich glücklich und bin eigentlich guter Dinge, aber irgendwie stehe ich emotional voll aufm Schlauch bzw kann mein Herz nicht deuten. Vlt muss ich mal Dr. LSD fragen um das von einer anderen Ebene zu betrachten oder meditieren? Oder abwarten?
Jedenfalls freue ich mich auf 2 Tage Berlin, bevor der Wahnsinn weitergeht am Donnerstag auf der Reeperbahn im Cowboy und Indianer.
Genießt das warme Wetter, das schwellen der Gelenke und die drückende Schädelplatte. Nein ehrlich- genießt es!
Ihr wisst ja – Keine Zeit für Boshaftigkeit