Ich Hör Auf

Ich hör auf!!
Ich sitze momentan im Zug und bin auf dem Weg zurück nach Berlin. Meine letzten Spielstätten waren Oberhausen, Fliesteden, Warburg, Karlsruhe, Pforzheim, Düsseldorf, Wankum und schließlich Emden.
Seit Oktober 2012 wollte ich eigentlich nichts mehr mit Musik zu tun haben. Klingt bescheuert ich weiß. Aber ich war kaputt. 2011 war ich mir noch sicher, mit einem Album wie Sidewalk Conversation, einen guten Meilenstein gelegt zu haben. “Danach gehts wieder ab”. Jedes Jahr auf Tour, im Sommer auf Festivals spielen und am nächsten Album arbeiten. Genug Zeit und Geld für Tochter, Wohnung und Kreativität. Aus welchen Gründen auch immer, wurde mir der Erfolg erspart. Album floppte, die Tour musste ich während der Proben absagen, und mein Feuer -mein Selbstbewusstsein war erloschen…
Henning Wehland riet mir im Herbst 2012, nicht gleich wieder das Radio aufzusuchen, den Welthit schreiben zu wollen und die nächste Partnerschaft, wieder bei einer riesen Plattenfirma zu suchen (wobei mich Universal angefragt hatte). “Gib dir und den Leuten eine Pause”. Ich wusste garnicht was das heißen sollte. Wie soll ich mir eine Pause geben? Was meinte er? Jedenfalls versuchte ich noch Anfang 2013 das Gegenteil von dem was mir Henning empfahl. Nur um noch weiter unten zu landen. Und dann kam kurz darauf, auch wenn unfreiwillig, die Pause. Und ich musste feststellen, dass ich diese gebraucht habe. Ich brauchte sie, um diesen wilden Ritt von 2007 bis 2012 mal zu verdauen. Auch wenn die nächsten Jahre auch nicht ruhig blieben… Ein erfolgreicher Manager hatte mich neulich angerufen mit den Worten: “Herr Buskohl, es ist schön mit ihnen mal zu sprechen! Ich habe noch nie soviel gehört von jemanden, der seit 2012 nichts macht (mit machen, ist eine musikalische Veröffentlichung gemeint)”Ja… Irgendwie traurig aber auch ein Teil des Plans. Ich nehme es gerne als Kompliment. Die Pause habe ich genutzt. Ich habe angefangen auf den Straßen Europas zu spielen, mich Genremäßig auszutoben, Videos gedreht für Songs, die ich nie Veröffentlicht habe, eine eigene Show in Münster moderiert mit fantastischen Gästen (u.a. Otto Waalkes, Martin Semmelrogge, Pohlmann uvm), Dinner-shows besungen, im Varieté gespielt und eine Tour in Australien…
Was ich eigentlich schreiben wollte, ist ja, dass ich aufhöre. Auf unbestimmte Zeit, werde ich vorerst mit den Wohnzimmerkonzerten aufhören! Natürlich nicht mit der Musik. Wie auch? Mein Fluch und Segen, bis das der Tod uns scheidet! Oder länger…
Ganz nach dem Vorbild Gunter Gabriel, habe ich mein erstes Anmeldeformular für meine 4-Wände-Tour Anfang 2014 gepostet. Ich wollte mal gucken ob sich überhaupt jemand noch interessiert. Und siehe da- es gab sie. Die mutigen Erstbucher! (DANKE) Und so fing meine 4 Jährige Tour (mit Pausen) durch die Wohnzimmer der Bundesrepublik an. Was ich alles erleben durfte! Leute das war und ist der Wahnsinn. Zuerst hatte ich Angst- wo würde ich landen und was für Menschen werden mir begegnen, welche Betten ich angeboten bekomme, welche Flieger, Büsse, Züge und Boote ich alle nehmen müsste, ob die dann auch da sind, und ob es ihnen gefallen wird. Doch nach einer Weile hatte ich gar keine Sorge mehr, was die Ungewissheit betrifft. Egal wie unangenehm auch die Situation sein mochte bevor ich spielte, ich wusste, dass sobald ich anfange zu spielen, alles gut wird. Es fängt eine Kommunikation an zwischen mir und dem Gastgeber, und den Gästen, die kaum zu beschreiben ist. Zudem bestätigt sich auch einfach immer wieder meine Theorie- wer Musik zu sich nachhause bucht, kann garnicht so scheiße sein. Und wer sich den Buskohl holt, sowieso nicht!
Allein in der letzten Woche hab ich wieder Sachen erlebt. Es fängt mit der Suppen-WG Party in Oberhausen an, wo ich erst bei Ankunft gemerkt habe, als ich neue Saiten aufziehen wollte, dass mir ein “Saiten-Stöpsel” fehlte. Mir ist der Fachbegriff noch nie bekannt gewesen… Das sind diese kleinen Teile unten auf dem Steg, die die Saiten festklemmen. Kosten 85cent, aber wenns fehlt ist dat ne mega-, ober-, hammerhart- beknackte Angelegenheit. Alle Musikgeschäfte in Oberhausen, hatten bereits zu. So schrieb ich alle Mukkerkollegen an, die so in Essen/Oberhausen wohnen, ob sie mir eine Gitarre leihen könnten… Alle waren (an einem Freitag natürlich) selbst unterwegs. Die Rettung kam dann aus der WG-Küche-, der Suppenchef, er hatte in Duisburg angerufen, bei einem Musikgeschäft, welches in 5 Minuten zugemacht hätte, und gefragt ob die Dame vor Ort noch auf uns warten könnte. So fuhren wir schleunigst nach Duisburg. Im Laden angekommen, beim bezahlen, bekam die Dame einen Anruf, wonach sie dann ihrer Kollegin mitteilte: “Ja jetzt muss ich dem Nippi die (drum)Sticks vorbei bringen”. Ich pack mir an den Kopf und frage: “ Aber doch nicht Nippy Noya, oder?” (Percussionist u.a bei Udo, Maffay, Chaka Khan etc)
“Doch, doch genau der. Dem muss ich jetzt noch Sticks zum Konzert bringen…”
“Super” sagte ich “zwei Idioten, ein Musikladen!” Da steht man in Duisburg, in irgendeinem Musikgeschäft und es ruft in dem Moment ein Kollege an… Lachend bezahlte ich meine 85cent, und bat sie beim rausgehen noch, ihn von mir zu Grüßen.
So dann konnte es auch endlich losgehen…
Am nächsten Tag, wachte ich auf, nahm mir noch ein wenig Suppe… was sonst… und da viel mir wieder ein, dass mir mein Wohnzimmerkonzert, für den Tag, in Münster abgesagt wurde. Aber ich hatte keine Lust nicht zu spielen. So rief ich in den Wald, Facebook, dass ich bock hätte zu spielen, ob nicht jemand eine Idee hätte. Und so kam es dann, dass es mich zum äääähhhh… 5. Mal in diesem Jahr, ins kleine, aber feine Eck Pulheim zog. Diesmal sollte es in Fliesteden sein. Das Glühweinfest des Maibaum-Vereins… Ein herrlicher Abend, bei herrlichen Menschen, und so komm ich wohl nicht mehr aus der Nummer raus, am 30.04 in Fliesteden, beim Maibaumfest zu spielen. Es soll mir eine Ehre sein! Haha.
Zur späteren Stunde jedoch, befand ich mich auf einer Geburtstagsparty, die nicht so schön endete. Unter den wenigen Gästen waren 5-6 Jungs, die sich immer lauter darüber unterhielten, wem sie als erstes von uns aufs Maul hauen werden und wie, und tauschten ihr homophobisches Gedankengut aus. Beim ersten mal dachte ich es wäre nur ein schlechter Spaß. Ich ignorierte es, da sie mit ihrem Idiotismus draußen im Garten blieben. Doch später machten sie sich immer häufiger, unangenehm bemerkbar. So sprach ich sie ganz einfach darauf an. Warum sie sich nicht für den Abend zusammenreißen könnten, und dass wir alle gemeinsam in Frieden saufen könnten. Ja… was soll ich sagen… es hat nicht viel gebracht. Draußen schaukelten sie sich alle weiter hoch, nun mit natürlich nur mich im Visier. Was ich mir auch erlaube…tse,tse,tse… Am Ende als wir gehen wollten, haben die Jungs das Hausumzingelt… Kein Scherz! Weil ihr Oberglatzenschwachmatsbefehlhaber, noch ein “Wörtchen” mit mir reden wollte. Aber gerne doch, dachte ich mir. So lief ich raus, um der Sache auf den Grund zu gehen. So stand ich vor ihm, diesem fetten, riesen Glatzkopp (halben Kopf größer als ich!), und hörte mir an, wie “sie” Menschen wie mich, mit langen Haaren (hallo welches Jahrzehnt lebt dieserMensch???), scheiß Schwuchteln wie M. (ein Gast dort) etc nicht hier haben wollen. Ich fragte ihn bloß warum. Warum er das nicht möchte, wieso ihn das störe, wieso er uns, ohne uns zu kennen, aufs Maul hauen möchte… Sein hässlicher, dummer Blick beim nachdenken, paarte sich mit dem ebenbürtigen Ergebnis- “DARUM!” Ich ließ mich leider aus der diplomatischen Haltung etwas locken und belehrte ihn: “Ihr dummen Dorftrottel, was ist das für ein Dorftrotteldenken?” Das ging ihm eindeutig zu weit und schrie völlig empört: “ Ich komme aus Nippes!”
“Na das ändert aber auch wirklich alles”, dachte ich mir, und schon küsste mich seine Stirn an der Augenbraue. Schlecht gezielt, und nichts dahinter, Gottseidank! So wollte ich dem Machoglatzenhohlflöte meine Meinung mal Kund tun. Doch dazu sollte es nicht kommen. Zu schnell waren seine Freunde dazwischen, und auch mein Kumpel überredete mich wieder ins Haus zu gehen. Ein paar Minuten später, war Hauptleutnantmatschbirne doch noch bereit mir die Hand zu schütteln, und somit fuhr ich nach Köln. Saubere Sache.
Sonntag gings für mich nach Warburg, wo ich bei einer wundervollen Familie, ein schönes Wohnzimmerkonzert geben konnte. Wonach wir noch Stunden lang uns in Gespräche vertieften, unsere liebe für die Beatles aussprachen und so wurde mir eine irrwitzige Geschichte erzählt… Der Gastgeber, Herr S., zeigte mir ein großes, eingerahmtes Plakat. Darauf waren Zeitungsartikel vom Jahre 2016 zusehen, wo er mit seiner Coverband als Vorgruppe von keinem geringerem als Paul McCartney angekündigt wurde, fürs Konzert in Düsseldorf. Ich guckte stark beeindruckt und las es mir durch. Er grinste und verwies mich auf das Datum… 01.04.2016… Es stellte sich heraus, dass er sein ganzes Dorf, die Lokalpresse, und Bandmitglieder, also ganz Warburg, zum 1. April verhohnepipelt hatte. Es fing mit einer lustigen Email, an die Zeitung, an. Als er dann aber am nächsten Tag daraufhin einen Anruf bekam, um ein Interview geben, konnte er es kaum fassen. Er reimte sich eine halbwegs plausible Erklärung zusammen, wie es denn dazu käme, und dass es ihm und den Jungs die Welt bedeuten würde, noch in so einem hohen Alter nochmal die Chance zu bekommen. So bedankte sich die Presse fürs Interview und versprach einen riesen Artikel mit Bildern etc. Es wäre ja eine Sensation.
Abends viel dem Fuchs aka Herrn S. ein, dass ja bereits vor Mitternacht, die Artikel online gestellt werden, bevor die Zeitungen raus sind. So rief er noch schnell an und erklärte, Sie hätten dem Management von Paul McCartney versprochen es erst ein Tag vorher (01.04) zu verkünden. Mit vollstem Verständnis dafür, dass das bei so großen Dingern ja öfters der Fall ist, versprachen sie es auch so zu tun. Am nächsten Tag stand das Telefon nicht still…
Montag war ich dann zu Gast bei “Buchi trifft…” in Karlsruhe. Ein durchaus gelungener Abend, in einem wunderbaren Lokal in Durlach. Es war schön, mal wieder meine Lieder, in Begleitung eines Rhythmusinstrumentes, zu spielen.
Dienstag hatte ich einen freien Tag, und ließ mich einladen zu einer Dinner Show-Premiere, wo ich vor 4 Jahren einmal gesungen hatte. Bei freiem Essen und Trinken geht das Musikerherz auf. Und dann auch noch bei so vielen, tollen bekannte Gesichter… Ein feiner Abend, der sein Ende doch erst um 8 in der Früh, fand.
So schleppte ich mich am Mittwoch, mittags, samt schwerer “Katze”, zum Waschsalon, um mal ein wenig Wäsche zu waschen. Mit sauberer Wäsche ging es dann auch schon weiter nach Pforzheim.
Das Wohnzimmerkonzert in Pforzheim war wunderbar. Malwieder habe ich super liebe Menschen kennengelernt und bin froh, dass das mein letztes klassisches Wohnzimmerkonzert war. Es hat alles gepasst. Die Stimmung, das Bier, die Witze, Pizza, die Unterhaltungen. Alles was ich an Wohnzimmerkonzerten liebe.
Donnerstag hatte ich einen freien Tag in Düsseldorf, und besuchte Götz Alsmann (Zimmerfrei) bei der Arbeit. Was ein herzlicher und lieber Mensch er doch ist. Sein Programm- Italienische Schlager-Hits aus den 50er und 60ern. Wenn auch anfangs eigenartig, und komisch, war es ein phänomenales Konzert. Er ist wahrlich ein Meister an den Tasten bzw “Original Steinway von Yamaha”. Sowie wie die weiteren, in Schwarz-Lila gestreiften Sakkos, gekleideten Herrschaften (Vibrafon, Schlagzeug, Percussion und Bass).
Freitag dann, in Wankum gespielt. Wo ich bereits vor einem halben Jahre spielte. Ich wurde wieder herzlichst empfangen und so wahr es mir auch ein Vergnügen dort zu spielen. Auch wenn die vielen Gäste ausblieben, so war es doch ein schöner, intimer Abend.
Leider musste ich auch schon 23:15 den Zug erwischen, um nach Münster zu kommen. Um halb 3 im Hostel angekommen musste ich auch schon um 8 den Bus zum Flughafen erwischen. Dort traf ich mich mit einem Hochzeitsgast, der sich von dort aus ein Auto mietete um nach Emden zu gelangen. Um 12 war die Hochzeit. Vor Ort angekommen, schnell geduscht, in die Stadt gerannt, ein gebügeltes Hemd gekauft… Und dann war ich auf einer schönen Hochzeit. Es haben sich dort zwei wunderbare Familien vereint. Es war mir eine Ehre dabei zu sein und – wie sollte es anders sein- das ein oder andere Lied gespielt zu haben. MIt Zugabe im Hotelzimmer, zur Freude der weiteren Gäste haha. Ach ne, wat war das wieder schön.
Und nu muss ich packen, für 5 Monate… und achso… Am Freitag kommt ein neuer Song mit Video!!!! Wuhuuuuuu! Der fetzt!

Und vergesst nicht-
Keine Zeit für Boshaftigkeit!